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Foto: Sandra Lembke

Der Grüneberg-Orgelsommer in der Neustrelitzer Stadtkirche wartet am kommenden Sonntag, den 22. Juli, um 17 Uhr, wieder mit einer musikalischen Kostbarkeit auf. KMD Hans-Jürgen Küsel hat diesmal ein Stück in sein Solo-Konzertprogramm aufgenommen, das vermutlich noch nie in der Residenzstadt aufgeführt wurde. Und dieses Werk birgt noch weitere Besonderheiten – schließlich kommt es nicht alle Tage vor, dass Kompositionen eines berühmten Astronomen zu Gehör gebracht werden, wie mir die Neustrelitzer Historikerin Sandra Lembke verraten hat.

Friedrich Wilhelm Herschel, nach Annahme der britischen Staatsbürgerschaft als „William Herschel“ bekannt, gilt als einer der bedeutendsten Wissenschaftler der Neuzeit. Im Jahr 1781 entdeckte er den Planeten Uranus, später jeweils zwei Uranus- und Saturn-Monde und die Infrarot-Strahlung. Auf sein Konto gehen auch die Erstellung eines Kataloges von nebligen Objekten mit mehr als 2500 Eintragungen („Herschel-Katalog“) sowie eines Kataloges mit 848 Doppelsternen. Herschel wies jahreszeitliche Veränderungen auf dem Mars nach und brachte erstmals die These vom Zusammenhang zwischen Klima und Sonnenflecken auf. Ebenso baute er selber riesige Spiegelteleskope.

Doch nur wenigen ist bekannt, dass Herschel vor seinen bahnbrechenden astronomischen Entdeckungen einem ganz anderen Beruf nachging. Der Wissenschaftler wurde 1738 in Hannover als Sohn als Militärmusikers geboren. Obwohl bereits an Mathematik interessiert, war Herschel zunächst als Oboist und Violinist in einem Regiment tätig. Nach der Hannoveraner Militärzeit wandte sich Herschel England zu, arbeitete hier als Notenkopist, Organist und Orchesterleiter. Zwischen 1759 und 1769 schrieb der spätere Astronom eine Vielzahl von Kompositionen, unter anderem mehr als 20 Sinfonien, diverse Konzerte für Oboe, Violine, Orgel und Streicher, weiterhin Kammermusik sowie fast 100 Werke allein für die Orgel. In der Neustrelitzer Stadtkirche wird nun seine reizvolle kleine „Sonata and Fuge VI“ aus den „Six Fugues for the Organ“ erklingen.

Dass sich Herschel überhaupt so intensiv der Astronomie zuwenden konnte und letztlich seinen musikalischen Brotberuf an den Nagel hängte, ist übrigens einer Pension des britischen Königs George III. zu verdanken. Der Monarch, Ehegatte der aus Mirow stammenden Prinzessin Sophie Charlotte von Mecklenburg-Strelitz, interessierte sich selbst stark für die Sternenkunde. So beobachtete er im Jahr 1769 in Richmond nachweislich gemeinsam mit seiner Gattin und deren Brüdern, den Prinzen Ernst und Georg August zu Mecklenburg, den Transit der Venus.

Sandra Lembke stellt „weiblichen Kometenjäger“ vor

Als William Herschel im Jahr 1781 den Uranus entdeckte, nannte er ihn zunächst zu Ehren des Königs „Georgium Sidus“ – Georgs Gestirn. Ein Tagebucheintrag von Königin Sophie Charlotte gibt Auskunft darüber, dass auch sie den berühmten Astronomen persönlich kannte und die königliche Familie ihn oft besuchte. Sophie Charlotte pflegte auch zu Herschels Schwester Caroline Kontakt. Diese fungierte als Assistentin ihres Bruders und ging zudem als „weiblicher Kometenjäger“ in die Geschichte ein. Meine Blogfreundin Sandra Lembke wird bei ihrem nächsten Vortrag im 3 Königinnen Palais auf der Mirower Schlossinsel, den ich hier wie gewohnt noch gesondert ankündige, auch über Caroline Herschel berichten.

Im Konzert werden neben William Herschels Komposition auch Werke von Dietrich Buxtehude, Johann Sebastian Bach, Johann Ludwig Krebs, Cesar Franck sowie die 6. Orgelsonate von Felix Mendelssohn Bartholdy, die berühmte „Vater unser-Sonate“, zu hören sein. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.