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Wird die Ipse GmbH Neustrelitz überleben? Die Frage steht nicht zum ersten Mal im Raum. Die Rahmenbedingungen für die Gesellschaft sind aber auch nie dramatischer gewesen. Folgt man einer Informationsvorlage von Ipse-Geschäftsführerin Irene Neuperth für die tragenden Kommunalvertretungen, so ist wenig Optimismus angesagt. Es bestehe dringender Klärungsbedarf über die Richtung, die eingeschlagen werden soll. Noch im ersten Halbjahr sollen sich die Gesellschafter dazu verständigen. Drei Szenarien sind von der Ipse-Chefin bar jeglicher Beschönigungen skizziert: eine Fortsetzung des Bisherigen unter hohen öffentlichen Zuschüssen, eine mittlere bis starke Verkleinerung in eine Art Schlummerzustand, um die Gesellschaft bei Bedarf wieder hochfahren zu können, und die Auflösung der Ipse. Bei letzterer Variante werden noch einmal zwei Möglichkeiten ausgewiesen: ein langsames Herunterfahren und die sofortige Liquidation.

Schaut man sich die Zahlen an, so erschließt sich die in dem Papier aufgeworfene Frage, ob die Gesellschaft noch gebraucht wird. Zählte die Ipse zu Zeiten ihrer Gründung im Zeitraum zwischen 1994 und 1996 durchschnittlich um die 1950 Beschäftigte, so sind 2017 nur noch durchschnittlich 162 gezählt worden. Das sind weniger als zehn Prozent!

Für 2018 ist noch einmal ein massiver Rückgang der Arbeitsgelegenheiten prognostiziert, auch die Förderung des Bundesfreiwilligendienstes gestaltet sich zunehmend schwierig. Immerhin dreistellig werde die durchschnittliche Beschäftigtenzahl noch bleiben, wie mir Irene Neuperth in einem Telefonat bestätigte. Parallel dazu muss sie für das laufende Jahr einen Fehlbetrag von 147 500 Euro im Wirtschaftsplan ausweisen. „Die Bemühungen der Ipse um eine Ausweitung des Tätigkeitsspektrums zur zusätzlichen Finanzierung des Unternehmens – insbesondere Trägerschaften und wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb im Bereich Garten- und Landschaftsbau – unter den Vorgaben der Gemeinnützigkeit und der Kommunalität – haben bislang wenig Erfolg gezeigt“, schätzt die Chefin ein. Auch fehle aktuell die Bereitschaft, für die Arbeit bei Trägern zu bezahlen. Vielmehr würden Aufgaben wie etwa das Coaching vermehrt in die Jobcenter zurückgenommen. Und die Aussicht, bei der Integration von Flüchtlingen gebraucht zu werden, hat sich mangels Flüchtlingen auch zerschlagen.

Fördermittel für Slawendorf nach unten korrigiert

Einzig halbwegs positive Nachricht ist, dass es eine Fördermittelzusage in Höhe von 280 000 Euro EU-Mitteln zur Instandsetzung des von der Ipse getragenen Slawendorfes in Neustrelitz in den Jahren 2018 und 2019 gibt. Allerdings hatte sich die Summe zu Jahresbeginn noch auf 345 000 Euro belaufen, sie musste von der Regionalen Leader-Arbeitsgruppe nach unten korrigiert werden, nachdem die ihr tatsächliches Budget zugemessen bekommen hatte.

Vage Hoffnungen setzt Irene Neuperth in noch diffuse Signale aus Berlin, arbeitsmarktpolitisch anders mit der Langzeitarbeitslosigkeit umzugehen. Die stellt unter anderem in der Strelitzer Region ungeachtet der deutlich gesunkenen Erwerbslosenzahlen ein verfestigtes Problem dar. Aber Prognosen wären zum gegenwärtigen Zeitpunkt, wo sich die Bundespolitik noch sortiere, nur ein Stochern im Nebel. Der ursprüngliche Zweck und operative Schwerpunkt der Ipse, Personen mit erschwertem Zugang zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt zu fördern, sei unter den herrschenden Bedingungen jedenfalls zahlenmäßig extrem weggespült worden.