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Wer in Wesenbergs Siedlung wohnt, hat den Wald als Nachbarn lieb gewonnen. Der muss aber auch bewirtschaftet werden.
Aus liebgewordener Gewohnheit ist man schnell geneigt, von einem Erholungswald zu sprechen. In erster Linie ist aber der Baumbestand rechts von der Straße zwischen Wesenberg und Klein Quassow im unmittelbaren Anschluss an den Wohnbereich Siedlung der Woblitzstadt Wirtschaftswald der Landesforst. Und von dem werden ab 5. März durch drei Kahlschläge insgesamt rund fünf Hektar fallen. Das hat mir Revierleiter Dagobert Misdalski auf Anfrage mitgeteilt.

Erst 25 Meter neben der Straße nach Klein Quassow werden künftig die ersten Bäume stehen. Auch eine Sicherheitsfrage.
„Wir haben diese Maßnahme seit zehn Jahren geplant, die ja einen nicht unerheblichen Eingriff in das Landschaftsbild darstellt, aber irgendwann lässt sich ein solcher Schritt nicht mehr aufschieben. Der überalterte Bestand muss jetzt weg, da gibt es klare Regelungen der Landesforstanstalt“, so der Wesenberger. Und der Wald in diesem Bereich unterliege auch keinen Einschränkungen. Was nicht heiße, dass nicht landschaftskulturell bedeutsame Bäume stehen blieben. Auch auf Sitzbäume für Raubvögel und Bäume für totholzbewohnende Insekten werde geachtet.
Die Kahlschläge werden laut Misdalski „selbstverständlich wieder aufgeforstet“. Noch in diesem Jahr würden die Flächen gepflügt, im nächsten Jahr sollen dort junge Kiefern und Douglasien angepflanzt werden. Für andere Baumarten sei der Boden nicht geeignet. Der Revierleiter kündigte eine kurzfristige Lärmbelästigung für die Anwohner an. Gearbeitet werde in zwei Schichten ab 5 Uhr in der Frühe mit dem Harvester. „Das dauert etwa fünf Tage. Danach entsteht noch einmal Lärm durch das Holzrücken. Und aussehen wird es zunächst mal wie Kraut und Rüben.“

Zu diesem Beitrag schreibt mir Uwe Liebow aus Wesenberg:
beim morgendlichen Joggen ist mir aufgefallen, dass trotz schriftlicher Eingaben das große Abholzen am Betreuten Wohnen schon begonnen hat. Am Freitag war davon noch nichts zu sehen. Der zuständige Revierförster hat doch den Beginn dieser Maßnahme bei Dir und beim Nordkurier ab 05.03.18 angesagt. Die Journalisten können sich doch nicht irren? Es wurde also ganz heimlich schon früher angefangen. Ist das Dienstbeflissenheit, Angst vor Montagsdemonstranten oder weiß der eigene Revierförster nicht, was in seinem Wald vor sich geht!
Vielleicht bin ich ja auch schon auf dem Holzweg! Wir sind traurig, schauen mit einem wohl letzten Blick aus dem Küchenfenster auf den auch für uns liebgewonnenen Erholungswald, der bald „Stubbenrode“ heißen wird!
Ein lokales Printmedium schrieb jetzt mit Berufung auf Herrn Misdalski, den Revierförster, es werden drei mal 1,9 ha fallen. Somit werden die Wesenberger 5,7 ha gewohnte Waldoptik vermissen.
Schlagreif aus Sicht der Landesforst sind mglw. (im 1xx m-Streifen aus der Luft aufgemessen) ca. 8,5 ha von der Klein Quassower Straße bis runter zur Bahnstrecke vor der Woblitz. Zwei Stücke in der Summe mit knapp drei ha bleiben demnach stehen.
Was weiterhin bleibt ist die Idee vom Erholungswald für den staatlich anerkannten Erholungsort gemäß § 22 (2) Landeswaldgesetz MV, vielleicht für den dann aufgeforsteten Bestand, vielleicht ganz woanders für einen anderen von Total-Fällung statt punktueller Aufforstung/Nachpflanzung betroffenen Wald. Ich fürchte da vor allem um den Stadtwald zwischen den Supermärkten und dem Kleinen Weißen See. Er ist ortbildprägend, gehört größtenteils mglw. dem Land MV, zumindest hat der Revierförster dort schon mal das Werben von Brennholz angeboten, was für den Status Landesbesitz ab verlängerter Tiergartenstraße bis zum See spricht. Mit seinem Unterwuchs, einer Vielzahl von Sträuchern und Büschen aber auch Starkbäumen bildet er eine Lärm- und Abgas-Barriere zur Bundesstraße und bietet Bauten Schutz vor stürmischen Westwinden.
Zurück zur Siedlung: Wesenberg kann es nur guttun, wenn man so große stadtnahe Kahlschläge kritisch sieht. Vor Augen habe ich dabei die Holzeinschlag-Optik beim Waldhotel Johannesruh, an der Straße nach Drosedow links und rechts oder am Peetschsee bei Neu Drosedow.
Nicht umsonst hat der Gesetzgeber Kahlschläge im Regelfall auf maximal 2 ha begrenzt.
Vielleicht könnte man bei den anzutreffenden Bodenwerten zwischen 20 und 30 nahe der Siedlung Wesenberg (gaia-mv.de) auch mit punktuellen Mischwaldnachpflanzungen im bestehenden Bestand Erfolg haben.
In der Literatur fand ich dazu:
„Plenterwald sind Waldbestände, in denen verschiedene Baumarten mit erheblichen Unterschieden in Alter, Höhe und Stärke stamm- und gruppenweise gemischt vorkommen“. Derartiger Mischwald hat was.
Und:
„ … Forstpolitisches Ziel ist es, den Anteil an Mischbaumarten (Laubholz) in den Wäldern auch im Hinblick auf den Klimawandel zu erhöhen.“
Somit wäre ein Weg dafür zu werben, die besten Holzpreise seit 2005 (Holzpreisindex.de) zu nutzen, aus Erlösen des Einschlages Laubholz-Nachpflanzungen nahe der Siedlung und zwischen verlängerter Tiergartenstraße (Nord/Süd-Verlauf) und Kleinem Weißen See vorzunehmen. Genau dafür wäre die lokalpolitische Unterstützung gefragt und die Erkenntnis, gleiches auf stadteigenen Flächen an der Tiergartenstraße zu prüfen.
Das Geschäft mit dem Holz! natürlich auch in Wesenberg dem staatlich anerkannten Erholungsort und eine Perle am Wasser in der Kleinseenplatte, dieses sollte man so langsam in Anführungszeichen setzen, wenn dieser Bauboom und die Umweltzerstörung der Perle am Wasser so weitergeht wie bisher.Ich habe neulich eine kleine Tour so 15 km rund um Wesenberg gemacht, (durch unsere noch Perle am Wasser) um mal zu schauen wo überall an unseren Straßenrändern und vor allem Wäldern geschnippelt und Gefällt wird. Nahezu alle 3 km findet man irgendeine Stelle wo eingeschlagen wurde, wo große Stapel an Geäst aufgetürmt liegen.In Groß Quassow wurde an einer stelle sogar in den Wald ein Stück Weg etwas mit Schotter verdichtet das die Holzlaster nicht steckenbleiben. Die Schranken in die Waldwege sind mancherorts schon aus Stahl und gut einbetoniert. Es ist ja auch nun kein Geheimnis mehr das seit Jahrzehnten die Holzlaster durch unsere Wälder kurven. Tag ein Tag aus und das in einem Bundesland das nicht gerade sehr Waldreich ist, auch schon auf Grund der groß ausgelegten Industriell bewirtschafteten Agrarflächen. Die Bebauung an der Wobliz hat über Jahrzehnte stark zugenommen. Im Zuge der Bebauung auf dem ehemaligen Gelände der Holzindustrie wurde auch im Namen der Verkehrssicherheit abgeholzt. Während andere teils sogar Historische Bauten in Wesenberg verrotten, werden weitere Neubauten für zB. Altersgerechtes Wohnen in Wesenberg geplant, warum? weil es Rentabel und überaus lukrativ zu sein scheint.Jetzt die nächste Katastrophe, die Fällung von 5 ha Wald in Siedlungsnähe. Als wenn in diesem Gebiet nicht schon genug eingegriffen wurde. „Erst 25 Meter neben der Straße nach Klein Quassow werden künftig die ersten Bäume stehen. Auch eine Sicherheitsfrage“. Ist schon ein Witz dieser Satz! 60 Jahre haben diese Bäume niemanden geschadet und nun sind diese eine Sicherheitsfrage???? „Was nicht heiße, dass nicht landschaftskulturell bedeutsame Bäume stehen blieben. Auch auf Sitzbäume für Raubvögel und Bäume für totholzbewohnende Insekten werde geachtet“.Über solch Sätze kann man nur den Kopf schütteln wenn man denn noch Umweltbewustsein hat. Das ist Augenwischerei damit die Menschen ringsum den Mund halten und alles stillschweigend hinnehmen. Na ja, da haben die Wesenberger in Zukunft ein paar Sichtachsen mehr, Gelle! Und die Urlauber? diese werden sich sicherlich auch darüber freuen und werden diesen großartigen Anblick „genießen“. Wenn man die Augen öffnet bemerkt man den stetig größer werdenden Handel mit dem Holz aus unseren spärlichen Wäldern. Es scheint sich zu lohnen wenn schon Polnische Laster Holztransporter vermehrt in unserer Region zu sehen sind. Schade das die Menschheit einfach nichts dazulernt. Das Profit und Rentabilität immer an erster Stelle stehen als gesunder Menschenverstand. Das in Zeiten wo unzählige Regenwälder für Palmöl Plattgemacht werden damit wir umweltfreundlichen Biosprit in Europa fahren können wo jeder einzelne Baum eigentlich zählt und das nicht nur in den wunderbaren Regenwäldern des Amazonas. Es ist und bleibt ein Geschäft das ist die traurige Wahrheit! wehrt euch dagegen!!!!!!!