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Ansicht von 1911. Sammlung Regionalmuseum Neubrandenburg

Mit der Sonderausstellung „Gymnasium & Lyzeum – Schulhäuser mit Geschichte(n)“ lädt das Regionalmuseum Neubrandenburg vom 4. Juli bis 4. Oktober zu einer Zeitreise durch die Geschichte der höheren Bildung in der Vier-Tore-Stadt ein. Anlass dieser Exposition sind zwei Jubiläen: Zum einen die Wiederkehr der Eröffnung des Schulgebäudes für Mädchen in der Lessingstraße vor 110 Jahren, zum anderen die Erinnerung an die Gründung des Schulhauses für Jungen gegenüber der Marienkirche im Jahre 1826, also vor 200 Jahren, in dem sich bis zur Zerstörung im April 1945 das Gymnasium befand.

Die Ausstellung gibt einen Überblick über die Herausbildung des Schulwesens in der Stadt, insbesondere der Höheren Schulen. Schlusspunkt bildet die mit der demokratischen Bildungsreform im April 1946 einhergehende Neustrukturierung des Schulwesens in Mecklenburg-Vorpommern. Das Haus in der Lessingstraße wurde damit über mehr als zwei Jahrzehnte Heimstatt der Erweiterten Oberschule Friedrich Engels. Die Ausstellung wird am Samstag, 4. Juli, um 14.30 Uhr, im Regionalmuseum eröffnet.

„Schule prägt Generationen“, sagt Claudia Hoffmann, Leiterin des Regionalmuseums Neubrandenburg. „Die Ausstellung zeigt, wie eng Bildungsgeschichte und Stadtgeschichte miteinander verbunden sind.“

Zwei Schulhäuser, zwei Jubiläen

Das eine Gebäude existiert heute nicht mehr, das andere wird wieder als höhere Bildungsstätte genutzt. Die Sonderausstellung nimmt die Jubiläen zum Anlass, die Entwicklung der höheren Schulen in Neubrandenburg vom Mittelalter bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts nachzuzeichnen. Im Mittelpunkt stehen die Anfänge der Latein- und Gelehrtenschulen, die Entwicklung des humanistischen Gymnasiums sowie die Auswirkungen gesellschaftlicher und politischer Umbrüche auf den Schulalltag.

Historisches Klassenzimmer als besonderes Highlight

Nicht fehlen darf ein nachgebildetes historisches Klassenzimmer aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Es vermittelt einen lebendigen Eindruck davon, wie Schülerinnen und Schüler früher gelernt haben.

Darüber hinaus werden zahlreiche originale Exponate gezeigt, darunter historische Karten, Schulutensilien aus den Bereichen Chemie, Biologie und Physik, Fotografien von Lehrkräften und Schülern, Dokumente aus verschiedenen Epochen sowie Zeugnisse bekannter Absolventen der Stadt. Auch die Schulzeit während der beiden Weltkriege und historische Formen der Züchtigung werden thematisiert. Ergänzt wird die Ausstellung durch vertonte Zeitzeugenberichte aus dem Schulalltag des 18., 19. und 20. Jahrhunderts sowie historische Filmaufnahmen.

Anhang vieler Sachzeugnisse wie Hilfsmittel für Geographie-, Biologie- oder Physikstunden, Zeugnisse und einem ganz besonderen Klassenbuch des einstigen Gymnasiums wird der damalige Unterricht anschaulich gemacht. Schriftbanner dienen der Erläuterung und Einordnung des Schulwesens der damaligen Zeit. Ein Kapitel beschäftigt sich mit der sogenannten Züchtigung, die bis hin zu körperlichen Drangsalierungen von Schülern führte und solche auch ausdrücklich erlaubte.

Aufnahmen aus einem historischen Spielfilm ermöglichen einen Einblick in den schulischen Alltag vor dem Zweiten Weltkrieg. Der Film entstand im Übrigen im Sommer 1934 in Neustrelitz mit einer kurzen Sequenz in der Vier-Tore-Stadt. Für Besucher aus Neustrelitz dürfte der Film von besonderem Interesse sein. Neben Außenaufnahmen vom Alten Carolinum in der Glambecker Straße sind auch Straßenzüge wie die Schloßstraße und die Elisabethstraße sowie die Schloßkirche zu sehen. Dankbar sind die Macher der Ausstellung den Neustrelitzer Kolleginnen und Kollegen, insbesondere Matryk Tomala, für das zeitweise Überlassen einiger historischer Exponate zum Thema Schule.

Umfangreiches Begleitprogramm

Zur Ausstellung bietet das Regionalmuseum ein umfangreiches Begleitprogramm mit Vorträgen, Führungen, Ferienworkshops und einem Ferienkino an. Unter anderem spricht der Journalist und Autor Christian Stelzer über die Geschichte der höheren Schulen in Neubrandenburg sowie über den Schriftsteller Horst Blume. Für Kinder und Familien werden in den Sommerferien Workshops zur Kalligrafie und zum historischen Buchdruck angeboten. Weitere Informationen zum Begleitprogramm sind auf der Internetseite des Regionalmuseums erhältlich.

Eintritt: 6 Euro, als Kombiticket mit der Kunstsammlung 10 Euro. Hinweis: Das Ferienprogramm ist mit dem Familienpass kostenfrei nutzbar.

Das Lyzeum 1916. Sammlung Regionalmuseum Neubrandenburg