Schlagwörter

, , , , , , ,

Charlotta Grimm und Kevin Knobloch. Fotos: Kai Wido Meyer

Diese Inszenierung von Shakespeares „Romeo und Julia“ muss man einfach gesehen haben! So haben Sie den Klassiker der Schauspielliteratur noch nicht erlebt! Und ich schreibe hier nicht von Nuancen. Der neue Schauspieldirektor der TOG David Czesienski hat den Stoff unerschrocken angefasst und ihn völlig umgekrempelt, ohne sich daran vergriffen zu haben. Vielleicht nicht jedermanns Sache, was da herausgekommen ist, mag sein. Ein Volltreffer jedenfalls aus meiner Sicht, unsereins freut sich über die Frische des Theatermanns und auf weitere seiner Regiearbeiten.

Das berühmte Liebespaar in der Wrestling-Szene! „Kindisches Spektakel!“ – habe ich auch schon gehört. Mit Bauchschmerzen bin ich gestern Abend auf Empfehlung einer dort beschäftigten Freundin ins Landestheater Neustrelitz gegangen, nach gut drei Stunden habe ich das Haus schwer begeistert wieder verlassen. Da wäre mir echt etwas entgangen. So ist das mit den Vorurteilen…

Auch nach den Premieren in Neustrelitz vor gut einem Monat und vor zwei Wochen am Schauspielhaus in Neubrandenburg erntet das geistreich inszenierte Stück, sprühend vor Überraschungen, bei dem auch die Komik nicht zu kurz kommt, noch minutenlangen Applaus und Hochrufe. Im Publikum übrigens ungewöhnlich viele jüngere Leute (Zielgruppe erreicht), dennoch auch für gestandene Theatergänger die pure Freude. Man muss sich nur darauf einlassen wollen.

Junge Mimen bereichern Schauspielensemble

Charlotta Grimm als Julia überragend, eine junge Schauspielerin mit unglaublichem Potenzial, der eine erfolgreiche Zukunft als Mimin zu prophezeien ist. Ihr Romeo Kevin Knobloch ebenfalls super besetzt, noch eine echte Bereicherung für das TOG-Schauspielensemble. Dann Lisa Scheibner, gewohnt brillant als Mutter Capulet und Amme, Matthias Horn versiert als Vater Montague und Laurence, Florian Rast gekonnt als Fürst Paris sowie der auch musikalisch hervortretende Lennart Klappstein als Mercutio und Apotheker, sämtlich beeindruckend. Schön auch, dass erneut Studierende der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin dabei sind. Eine Kooperation, die einmal mehr Früchte trägt: Gina-Maria Böhlau spielt Benvolio, Vanja Hawemann, der auch für die Kampfchoreografien verantwortlich zeichnet, ist als Tybalt und Bruder John zu erleben.

Zu meinem erfreulichen Theaterabend unbedingt beigetragen haben das opulente Bühnen- und Kostümbild von Lea Kissing und Hanna Scherwinski sowie die von Paul Lies beigesteuerte Musik. Die Dramaturgie besorgte Oliver Lisewski.

Wer „Romeo und Julia“ – wirklich außergewöhnlich, aufsehenerregend – noch sehen will, muss sich sputen. Am 15. November gibt es eine weitere Vorstellung im Landestheater Neustrelitz und am 17. Januar eine im Schauspielhaus Neubrandenburg. Es folgen Schulvorstellungen in beiden Städten, die bereits ausverkauft sind oder für die es nur noch wenige Tickets gibt.

Gina-Maria Böhlau, Kevin Knobloch und Lennart Klappstein
Lisa Scheibner und Vanja Hawemann
Florian Rast
Matthias Horn und Charlotta Grimm
Charlotta Grimm und Kevin Knobloch
Vanja Hawemann und Lennart Klappstein