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Intensiver kann man sich auf ein Radsport-Megaevent nicht vorbereiten. Heute Abend um genau 18 Uhr haben Mitglieder des Bike Teams Neustrelitz einen 24-stündigen Test für die vom 7. bis 9. Juni anstehende Mecklenburg-Vorpommern-Rundfahrt über 1000 Kilometer und knapp 4000 Höhenmeter (Strelitzius berichtete) mit Start und Ziel in der Residenzstadt begonnen. Wobei die Extrem-Radler zur Stunde im Vereinsraum am Heizkraftwerk in der Residenzstadt in die Pedale treten. Eine extra von den Stadtwerken Neustrelitz gesponsorte Strelix-Datenleitung knapp unter einem Gigabyte pro Sekunde macht es möglich. Gut vernetzt sein ist eben fast alles.

Die Radsportler folgen vor Monitoren einem Kurs in der virtuellen Welt, am Hinterrad einen Smarttrainer, der das vorgegebene Streckenprofil in die Beine überträgt. Alle zwei Stunden wechseln die Fahrer, am Ende werden rund 750 Kilometer Strecke zurückgelegt sein. Pro Teammitglied sind also um die 250 Kilometer zu bewältigen, wobei quasi zum Ausgleich mehr Höhenmeter zusammenkommen, als bei der MV-Runde. „Wir wollen, dass unsere Männer schon mal ein Gefühl für den anstehenden Wettkampf erhalten“, so Vereinsvorsitzender Thomas Reinke gegenüber Strelitzius zum Anliegen der Kick-off-Veranstaltung. Für Essen und Trinken ist reichlich gesorgt, und auch die eine oder andere Frau der Pedalritter hat es sich nicht nehmen lassen, (mit sicherlich Unterbrechungen) bei diesem Highlight am Freitagabend dabei zu sein.

Die Neustrelitzer werden in rund dreieinhalb Monaten mit vier Teams á drei Sportler MV umrunden. Insgesamt sind momentan 41 Starter aus ganz Deutschland, der Schweiz und Österreich für die Ultradistanz gemeldet, einzeln und in Teams, darunter auch Frauen. Start und Ziel sind in Neustrelitz. „Hier herrscht eine unheimliche Radsportbegeisterung“, sagte mir Veranstalter Steven Dornbusch. Der Leipziger ist den Mecklenburgern freundschaftlich verbunden, seit Thomas Reinke, Sven Truderung und Thomas Rademacher im Mai vergangenen Jahres bei der Premiere von „Rund um Sachsen“ für MV Ehre eingelegt und den dritten Platz belegt haben. „Ich bin selbst begeisterter Rennradsportler“, so der 46-jährige Dornbusch, der eigentlich im Musikgeschäft seine Brötchen verdient. Insofern kein Wunder, dass ihm auf einer 820 Kilometer langen Tour in 32 Stunden von Aachen nach Görlitz, „bei der ich viel Zeit zum Nachdenken hatte“, die Idee für „Rund um Sachsen“ kam.

Veranstalter Dornbusch: Die Stadt ist einfach geil

„Etliche Radsportfreunde drängt es auf die langen Distanzen, aber sie scheuen sich vor den Bergen wie bei uns in Sachsen. So geriet ‚Rund um Mecklenburg-Vorpommern‘, auch dank der Neustrelitzer, in meinen Hinterkopf“, erzählt der Leipziger. „Klar, dass ich beim Auftakt heute dabei bin. Ich bin beeindruckt vom Verein, von den vielen weiteren Unterstützern, aber auch von der Residenzstadt. Wir haben für den Start in Neustrelitz die Strecke noch mal umgeplant, damit die Starter an möglichst vielen Sehenswürdigkeiten vorbeifahren. Die Stadt ist einfach geil. Und der Radsport hat hier eine wirkliche Heimat.“

Steven Dornbusch hat Erfahrungen gesammelt und stellt eine Rundfahrt auf die Beine, die vergleichbare Wettkämpfe aussticht. „Ich möchte, dass sich die Fahrerinnen und Fahrer gut aufgehoben fühlen. So wird es alle 300 Kilometer Checkpoints geben, außerdem werden mobile Teams auf der Strecke unterwegs sein, um gegebenenfalls Sportlerinnen und Sportler einzusammeln. Allein am Kap Arkona, das werde es bei der Rundfahrt nicht geben. „Ich weiß genau, was ich anderswo vermisst habe“, so der Organisator.

Jeder, der durchkommt, wird je nach Fahrzeit eine bronzene, silberne oder goldene Medaille umgehängt bekommen. Das Limit liegt bei 60 Stunden. Viel begehrter erfahrungsgemäß bei Sportlern über die Ultradistanzen das Finisher-Trikot, das natürlich auch überreicht wird. Strelitzius wünscht für die verbleibenden knapp zwanzig Stunden den Freunden vom Bike Team Neustrelitz jede Menge Durchhaltevermögen. Nach einer Erholungsphase für Thomas Reinke und seine Mitstreiter nach dem Kick-off spreche ich ihn am Sonntagvormittag wieder. Und schreibe es natürlich sofort auf.

Sven Truderung (links) und Thomas Reinke waren schon bei „Rund um Sachsen“ dabei und haben die Idee in ihre Heimat transportiert.
Schöne virtuelle Welt: Dank des Daten-Sponsorings der Stadtwerke wurde das Training möglich.
Gute Freunde: Thomas Reinke (links) und Steven Dornbusch.
Kurze Einweisung, bevor es an die Rennmaschinen geht.