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„Gebildet, aber gelehret nimmer: Kluge Frauen gehen ihren Weg“ ist der neueste Vortrag überschrieben, den die Neustrelitzer Autorin und Historikerin Sandra Lembke am morgigen Freitagabend in Mirow an ihre Zuhörer bringt. Darin beschäftigt sie sich wie gewohnt mit Sophie Charlotte und deren Zeitgenossinnen. Ich weiß es sehr zu schätzen, dass mir meine Blogfreundin auch diesmal eine kleine Einführung geschrieben hat.

Im 18. Jahrhundert hatte ein heiratswilliger Mann klare Vorstellungen von seiner Traumfrau: Jung, schön und fruchtbar sollte sie sein, sittsam und stets auf das Wohl des Gatten beziehungsweise der Kinder bedacht. Dumm sollte die Auserwählte natürlich auch nicht sein, aber es reichte, wenn sie lesen und schreiben konnte und ihre Nase in die Bibel oder in erbauliche Schriften steckte. Damen, die weitergehenden Interessen nachgingen, wurden schief angesehen. Frauen, die sich künstlerisch betätigten oder ernsthaft mit Naturwissenschaften befassten, sahen oftmals einer Zukunft als alte, mittellose Jungfer entgegen.

Beschäftigung mit Botanik unverfänglich

Selbst der britische König George III. hatte Ehekandidatinnen abgelehnt, weil sie sich, wie er befand, mit Themen befassten, die einer Frau nicht gut zu Gesicht standen. Doch die Mecklenburg-Strelitzer Prinzessin Sophie Charlotte, die letztlich Königin von England wurde, entpuppte sich nicht als naive „Landpomeranze“. Sie hatte am kleinen Mirower Hof eine vorzügliche Ausbildung genossen. Aber als Königin wurde von der Mecklenburg-Strelitzerin erwartet, sich in erster Linie ihren Pflichten als Ehefrau und Mutter zu widmen. Die Beschäftigung mit der Botanik, für die Sophie Charlotte später berühmt werden sollte, war ein unverfängliches Interessengebiet, das einer Queen würdig war und zudem die Zustimmung des Gatten fand.

Die Königin umgab sich jedoch Zeit ihres Lebens mit hochgebildeten und gelehrten Frauen und holte sie auch an ihren Hof. Wer konnte schon von sich behaupten, jeden Morgen von einer damals sehr bekannten Schriftstellerin angekleidet zu werden? Sophie Charlotte konnte dies, denn die Autorin Frances Burney stand rund fünf Jahre lang in ihren Diensten. In den Reihen der weiblichen Palastangestellten fanden sich auch Damen wie die Gouvernante Mary Hamilton, die der berühmten „Blaustrumpf-Gesellschaft“ angehörte. Hier traf man auf die gelehrten Frauen und Männer dieser Epoche. Weitere enge Kontakte wurden zur Künstlerin Mary Delany gepflegt oder man besuchte die Herzogin von Portland, die eine der größten naturkundlichen Sammlungen ihrer Zeit aufbaute.

Astronomin Caroline Herschel „assistiert“ ihrem Bruder

„Im Vortrag werde ich einige Lebenswege nachzeichnen und aufzeigen, mit welchen Schwierigkeiten gebildete und gelehrte Frauen zu Sophie Charlottes Zeiten konfrontiert waren“, so Sandra Lembke. „Viele mussten sich verstecken – Autorinnen veröffentlichten ihre Werke anonym, Wissenschaftlerinnen behielten ihre Ergebnisse für sich oder konnten zunächst nur unter der Ägide eines Mannes tätig werden. So geschehen auch bei der Astronomin Caroline Herschel, die ich an diesem Abend ebenfalls vorstellen möchte.“

Die gebürtige Hannoveranerin konnte ihren wissenschaftlichen Interessen nur nachgehen, weil sie ihrem Bruder – dem Uranus-Entdecker Wilhelm Herschel – nach England folgte. Zunächst als seine Assistentin bekannt, trat sie später als „Kometen-Jägerin“ aus seinem Schatten. In diesem Jahr jährt sich übrigens Caroline Herschels 170. Todestag.

Ist es Zufall, dass gerade am Abend des Vortrags in Mirow die große Mondfinsternis stattfindet? Die wird aber in unseren Breitengraden erst nach dem Vortrag sichtbar sein – es verpasst also keiner etwas. Für kühle, erfrischende Getränke ist gesorgt, einem weiteren historisch-unterhaltsamen Sommerabend auf der Mirower Schlossinsel mit Sandra Lembke steht also trotz Hitze nichts im Wege.