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Nach der Schmach von Kasan, mehr Worte möchte ich zum blamablen Abgang unserer Nationalelf als Gruppenletzter bei der Fußball-WM dann auch nicht verlieren, lässt es sich entspannt wieder anderen Themen zuwenden. Die können durchaus auch fesselnd sein. Während dem Schlosskeller Neustrelitz das Zuschütten droht, haben mir Gegner der vom Land mit Vehemenz vorangetriebenen Geschichtstilgung heute eine Meldung zugespielt. Die dürfte in Schwerin vermutlich bekannt sein, weil schon vom Jahresbeginn, während sie die Aktivisten für eine Schlosskellernutzung hierzulande geradezu elektrisiert und mit Munition versorgt: Der Bund Heimat und Umwelt (BHU) hat für 2018 „Historische Keller“ als Kulturdenkmal des Jahres gewählt.

Als Bundesverband der Bürger- und Heimatvereine, der mit seinen Landesverbänden die Interessen von rund einer halben Million Bürgerinnen und Bürgern vertritt, möchte der BHU mit dieser Jahresaktion auf bemerkenswerte, aber oft gefährdete Kulturlandschaftselemente aufmerksam machen: Keller sind dafür ein gutes Beispiel, wie der Verband in einem Flyer erläutert.

Keller wurden meist mit großem Aufwand erbaut und häufig nicht nur funktional, sondern auch dem Zeitgeschmack entsprechend gestaltet. Ihr Erbauen erforderte viel Fachwissen, damit die Bauten stabil und lange erhalten blieben. Sie sind oberirdisch nicht sichtbar, verschwinden so aus der Erinnerung der Menschen und verfallen. Keller sind zudem auch durch physische Gegebenheiten besonders gefährdet. Sie können durch den unterirdischen Druck, durch die Bodenbeschaffenheit und durch das Grundwasser zerstört werden. Dadurch ist die Erhaltung und Restaurierung bei diesen Denkmälern besonders kostenintensiv. Oft ist eine Umnutzung die einzige Möglichkeit, historische Keller zu erhalten. Sie werden u.a. für die Gastronomie, zur Lagerung, als Eventraum, als Museum oder sogar als Hotel genutzt. Historische Keller stellen einen erhaltenswerten Teil unseres kulturellen Erbes dar. Durch die Arbeit zahlreicher ehrenamtlicher Vereine und Privatpersonen mit Patenschaften, Öffentlichkeitsarbeit und Erhaltungsmaßnahmen kann dieses Erbe bewahrt werden, meint der BHU.

Der Bundesverband ruft alle Bürgerinnen und Bürger auf dazu beizutragen. In Neustrelitz werden mit einem eindeutigen Votum der Stadtvertretung da wohl offenen Türen eingerannt. Hier wird mit Spannung auf den September gewartet, wo Finanzminister Mathias Brodkorb (SPD) eine Entscheidung über die Zukunft des Schlosskellers herbeiführen will. Seine Position durchzusetzen, dürfte dem Politiker mit dem vom BHU noch einmal offiziell zum Kulturdenkmal erklärten Streitobjekt noch schwerer fallen.