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Deutsche Tanzkompanie, Geerken, Mecklenburg-Strelitz, Neustrelitz, Tanz mit, Tanzhaus, Tanznacht

Auch in diesem Jahr war die Deutsche Tanzkompanie wieder Teil der Langen Kunst- und Einkaufsnacht in Neustrelitz, und zum zweiten Mal war am Samstag ein vielseitiges Tanzprogramm am Riefstahlplatz zu erleben. Dieses Mal umrahmte aber noch eine Besonderheit der Kompanie das Fest: sechs Jahrzehnte professioneller Tanz am Standort Reutergarten. Gefeiert wurde mit vielen Ehemaligen aus der langen Geschichte von Tanzkompanie und Folkloreensemble und jedem, der sich mit dem Tanz verbunden fühlt.
Mona Geerken ist derzeit Praktikantin bei der Deutschen Tanzkompanie, hat die Mitmachaktion „Tanz Mit“ (Strelitzius berichtete) auf die Beine gestellt und für meine Leser nachfolgende Zeilen über die Tanznacht geschrieben. Danke, Mona, und Respekt!
Der große Tanzsaal ist geschmückt, die Bankreihen gefüllt mit ehemaligen Tänzern und Mitarbeitenden, und schwelgende Blicke und vertrauter Austausch untereinander füllen den Saal. Ob das an dem goldenen Spätsommertag oder doch der Zusammenkunft von sich sehr vertrauten Menschen liegt?
Auf einer Leinwand werden Tanzvideos aus über 60 Jahren gezeigt. Frauen und Männer, die selbst einen großen Teil ihrer Zeit an diesem Ort verbrachten, haben ihren Weg hergefunden und auch das junge Ensemble, das zwischen seinen Vorgängern sitzt, schaut gespannt auf die bewegten Bilder und kommentiert aufgeregt, was es sieht. Ein Kichern und Aufschreien braust durch die Reihen, wenn ein bekanntes Gesicht auftaucht und man kann fast ein wenig fühlen, wie sich die Herzen in diesen festgehaltenen Erinnerungen magischer Bühnenzeiten weiten. Trotz der vielen Jahrzehnte in ihrer ganz eigenen Zeit und diverser Veränderungen bleibt es bei der gelebten und geteilten Mission des Tanzes.
Nach einigen bewegenden und ehrenden Worten zu diesem Anlass von Marco Zabel, dem Geschäftsführenden Direktor der Deutschen Tanzkompanie, ruft auch Cornelia Nenz, einst Sängerin, Dramaturgin und Intendantin, Erinnerungen ins Heute. Kostüme, Plakate und unzählige Fotos helfen dabei. Zu der Live Musik am Flügel von Klaudia-Friederike Holdefleiß wurde Kaffee und Kuchen gereicht.
Währenddessen wird sich draußen auf der Bühne schon warmgetanzt. Es gibt eine Fotoecke, an der fleißig Plakate gebastelt werden mit persönlichen Worten der Gäste, weshalb die Kompanie weiterhin fortleben muss, denn ihre Zukunft ist nicht gesichert. Dann leitet der Moderator Christoph Deuter den Auftakt des Programms an. Schwungvoll und mit einer mitnehmenden Leichtigkeit führt er die Gäste und Tänzer durch den Nachmittag in den Abend hinein.
Es gibt mitreißende Aufführungen, strahlende Gesichter, die das zeigen können, was sie voller Hingabe erprobt haben und eine Bühne, wie dafür gemacht. Die Gäste genießen die Darbietungen, und es gibt viel Applaus an diesem Tag. Zuletzt steht eine Gruppe des Tanzhauses der DTK auf der Bühne – während eine andere Gruppe an diesem Tag in Schwäbisch Hall tanzt – und performt über eine halbe Stunde nochmal auf hohem Niveau.
Danach folgt die angekündigte „Tanz Mit“-Aktion. Die Zuschauer werden aufgerufen einen großen Kreis um die zusammengestellte Tanzgruppe zu bilden, und dann wird zu dem Klassiker All Night long von Lionel Richie gemeinsam getanzt. Kurzes Sommerfeeling, während es ringsum kühl wird.
Nach einer kleinen Verschnaufpause des Nachmittags stellt die Kompanie noch eine letzte Show auf die Bühne. Endlich ist das ersehnte Profi-Ensemble zu sehen, das an diesem Abend natürlich nicht fehlen darf. Kurz nach dem Hauptprogramm hatte sich der Anlauf an Menschen etwas ausgedünnt. Jetzt zu der 20 Uhr Vorstellung sind die gesamten Reihen wieder komplett gefüllt und das Publikum blickt gebannt der Bühne entgegen, um gleich einen Ausschnitt von „Der Tod und das Mädchen“, als Neueinstudierung, zu sehen.
Wieder einmal fallen Worte zu der noch ungewissen Existenz der Kompanie. Geht es im nächsten Jahr weiter? All das ist zu spüren und gleichzeitig von einer Zuversicht untermalt, dass es nur weiter gehen kann. Das ist im Publikum zu spüren, in Gesprächen mit den Eltern, für die dieser Ort weitaus mehr ist, als etwas, wo sie ihre Kinder hinbringen und anschließend wieder abholen und natürlich auch bei allen, die selbst Teil der Kompanie sind. „Es muss weiter gehen!“, sind sich viele Gäste einig.
Das Ensemble zeigt nach dem vorangegangen klassischen Stück dann noch eine freie Performance. In pulsierenden Bewegungen und im tiefen Miteinander schweben die Mitwirkenden über die Bühne. Das Publikum klatscht heftig, und trotz der mittlerweile kalten Temperaturen ist von der Kälte wenig zu spüren, denn die ganze Aufmerksamkeit hängt an den Tänzern.
Die Auftritte sind beendet, die Bar ist eröffnet, und so kommen die zusammen, die noch bleiben wollen. Der Feuerkorb wirft über den Hof ein warmes Licht in die Dunkelheit der Nacht, und drumherum sitzen sich fremde und bekannte Gesichter gegenüber. Die Atmosphäre schafft ein angenehmes Vertrauen untereinander – auch, weil alle, die noch da sind, eben wegen dieser gemeinsamen Sache genau an diesem Ort sind. Dem Tanz. Der verbindet.
Und wie es bei einer Zusammenkunft von vielen Tänzern zu erwarten ist, wird in den Morgenstunden dann noch das Tanzbein geschwungen. Mit Rock n Roll Schritten, Cha Cha und und Tango. Im Licht des Feuers wird wild und voller Elan auf dem Hof getanzt. Die ehemaligen Tänzer packen Schritte aus, die sich die Laien unter der Gruppe nicht mal im Traum ausmalen könnten. Aber die Sicherheit der Tänzer, die Dunkelheit der Nacht, die alles möglich macht und die aufgeladene Stimmung in dieser Tanznacht machen es möglich, dass die Schritte wie von selbst in die Füße fließen, sogar ein paar Sprünge klappen und ein eigener Raum in Ungezwungenheit entsteht, in dem gelehrt und gelernt wird. Eine sehr persönliche Tanznacht.

















