Die Fabrik.Galerie für gegenwärtige Kunst der Alten Kachelofenfabrik Neustrelitz zeigt vom 9. Februar bis zum 10. März die Ausstellung „BE PRESENT CONTINUOUSLY – open studio“ mit Arbeiten von Jenya Tschaikovska. Die Vernissage findet am Freitag, den 9. Februar, um 19.30 Uhr statt.
Besucht man heute Retrospektiven großer europäischer KünstlerInnen, deren Oeuvre sich über die erste Hälfte des letzten Jahrhunderts streckt, dann sind es meist KünstlerInnenbiografien, die geprägt sind durch Flucht und Emigration. Die Zerrissenheit vor der Flucht und nach der Flucht zwischen der Heimat und dem Woanders sein, die Suche nach der Antwort im künstlerischen Werk auf diese Erfahrungen und die Relevanz des eigenen Werkes im Emigrationsland sind nur einige Aspekte, welche diese Biografien prägten. KunstkennerInnen wissen, dass diese Gräben, welche Kriege, Verfolgung und Vertreibung in das Leben von Menschen reißen, zuweilen Anlass für neue Kunstausrichtungen und Kunstdiskurse werden. Kunstrichtungen, die geprägt sind durch die Suche nach Antworten oder Reaktionen auf die erlebten Grauen, die Angst und die intellektuelle Verzweiflung an der Möglichkeit dieser Kriege, Verfolgung und internationaler Verstrickungen. Gleichwohl ist auch das genaue Gegenteil bei KünstlerInnen häufig der Fall: Losgelöst von den Kontexten in denen spezifische Werke und Inspirationen entstehen, emigriert in einem Land in denen Sprache und Codes sich nach und nach erarbeitet werden müssen, enden zuweilen großartige Künstleroeuvres oder finden keinen Ausdruck der dem Erlebten Ausdruck geben oder gar heilen könnte.
Lange haben wir diese Biografien in den letzten Jahrzehnten retrospektiv in Museen und Galerien betrachtet. Doch seit dem 24. Februar 2022 sind sie spätestens wieder hochaktuell und mitten unter uns in den europäischen Fokus geraten. Mit dem Überfall auf die Ukraine hat Europa nicht nur die schnellste und größte Fluchtbewegung in seiner Geschichte erlebt, sondern gleichwohl realisiert, dass das Konstrukt der EU, das noch 2012 den Friedensnobelpreis bekam, eben kein Garant für Frieden, Demokratie, Versöhnung und Menschenrechte ist. Vielmehr ist es ein Wertekonstrukt, das gleichwohl in dem immer rasanter fortschreitenden Nationalismus der einzelnen europäischen Länder auf der einen Seite und den kriegerischen Handlungen welche auf abstrusen Kriegsgründen fußen, tagtäglich verteidigt werden müssen.
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