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Wer meinem heutigen Gastrotipp folgen will, muss diesmal schon etwas mobiler sein. Er führt nach längerer Zeit mal wieder ins benachbarte Polen an die Ostsee. Zu den Küstenorten, die sich dort besonders dynamisch entwickeln, gehört unbedingt Ustronie Morskie nahe Kołobrzeg. 300 Kilometer sind zu fahren, aber der Aufwand lohnt sich. Wir haben keine 50 Meter vom Strand entfernt im 2025 eröffneten „Baltic Jet Luxury Aparthotel“ eine knappe Woche Urlaub gemacht und waren mit unserer Wahl sehr zufrieden.

Von der noblen Herberge am Ortsrand ins Zentrum von Ustronie Morskie sind es etwas 20 Minuten zu Fuß, gern auch am Meer entlang, dann abbiegen. Direkt an der Kirche befindet sich in der Bolesława Chrobrego 13A das nicht minder empfehlenswerte Restaurant „Kabaczek Pico Bello“ von Piotr und Magdalena Szpak. Wir sind ja nun schon ein paar Jahrzehnte auch gastronomisch zwischen Świnoujście und Gdańsk unterwegs. Aber unter den vielen wirklich guten Gaststätten, in die die Holde und meine Wenigkeit in dieser langen Zeit eingekehrt sind, spielt das „Pico Bello“ noch einmal in einer eigenen Liga.

Wie dort die Liebe zu guten, frischen Lebensmitteln geradezu zelebriert wird, mit welcher ans Künstlerische grenzenden Phantasie Speisen und Getränke dekoriert werden und mit welcher Freundlichkeit, ja Herzlichkeit serviert wird, das hat schon Klasse. Und nichts ist unmöglich: nicht die Weintraube und die Himbeere auf der Untertasse des Cappuccinos und nicht die Kürbisscheiben auf dem in Spinat gebetteten Dorsch. Auch haben wir gern volle Teller und Schüsseln. Bei der Menge ihrer extravaganten Salate kam meine Angetraute aus dem Staunen gar nicht mehr raus, mich brachten bodenständige Kohlrouladen am ersten und der Fisch am zweiten Abend an die Grenzen meines Fassungsvermögens. Und wir essen gern von schönem Geschirr, auch das wurde aufgetischt.

Tradition trifft auf Innovation

Der ohnehin gute Ruf der polnischen Küche, hier wird er mit Hingabe gepflegt und entwickelt. Tradition trifft auf Innovation, einfach spektakulär und nicht von ungefähr mehrfach ausgezeichnet. Während der Gast auf das Bestellte wartet, sorgt ein Video bereits für einen appetitanregenden Blick hinter die Kulissen, vom Einkauf bis zur Küche. Für Freunde des Gehopften unbedingt zu erwähnen, dass das „Pico Bello“ ein schmackhaftes hauseigenes Bier brauen lässt, in fünf Sorten, in der Flasche erhältlich und am Hahn gezapft. Wein beziehen die Gastronomen aus Leidenschaft unter anderem vom Invictus-Weinberg bei Walcz, etwa 100 Kilometer entfernt, das noch junge Gut von verwandten Seelen betrieben.

Das anheimelnde „Kabaczek Pico Bello“ erlebt man mit allen Sinnen. Beim zweiten Besuch wurden wir bereits vor der Tür mit einem Drink begrüßt, als gehörten wir zur Familie. Wir haben wirklich ganz genau hingesehen und uns auch strategisch günstig mit Blick auf Kücheneingang und Tresen platzieren lassen. Zu beobachten und zu entdecken gab es vieles, aber nichts zu bemängeln. Eine Strelitzius-Empfehlung ist fällig, keine Frage. Wir waren mit Sicherheit nicht das letzte Mal in Ustronie Morskie. Insofern ein herzliches „Auf Wiedersehen“ an die Wirtsleute Szpak.