Schlagwörter
Annalise-Wagner-Preis, Bukowski, Mecklenburgische Seenplatte, Neubrandenburg, Vergabe
Die Annalise-Wagner-Stiftung aus Neubrandenburg vergibt zum 35. Mal ihren Annalise-Wagner-Preis an einen hervorragenden Text mit Bezug zur Region Mecklenburg-Strelitz, rund um Neubrandenburg und Neustrelitz im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. Für 2026 geht er an die Berliner Autorin Helene Bukowski. Ausgezeichnet wird ihr Roman „Wer möchte nicht im Leben bleiben“, erschienen 2026 im Claassen Verlag. Literarischer Handlungsort ist zum großen Teil die Stadt Neubrandenburg.
„Helene Bukowski nähert sich in ihrem dritten Roman auf innovative Weise der Biografie einer realen Person an. Ein Menschenschicksal, voller Empathie und persönlicher Anteilnahme erzählt“, heißt es in der Begründung der Jury (siehe Anhang). Im Mittelpunkt steht „Christina“, 1961 in Leipzig geboren, aufgewachsen in Neustrelitz und ab ihrem sechsten Lebensjahr in Neubrandenburg. 1985, mit 24 Jahren, nimmt sie sich hier das Leben. „Dazwischen lebt sie ein intensives Leben als talentierte Pianistin, zieht 1972 nach Berlin in ein Musikinternat (die „Spezi“ genannte Spezialschule für Musik) und studiert von 1978 bis 1984 am Moskauer Tschaikowski-Konservatorium, genießt dort erstmals Freiheit und Internationalität.“ Nach ihrer Rückkehr wird die junge feinfühlige Frau in der Endphase der DDR unter die Räder der „parteilich-sozialistischen Ausdeutung der Musik“ geraten, ihre Kreativität droht zu ersticken.
Entwaffnende Ehrlichkeit
Grundlage des Romans ist ein realer Nachlass, der aus Neubrandenburg – von einer Freundin der Großmutter von Helene Bukowski – zur Autorin gelangte: Fotos, Notizbücher, Kassetten, Briefe, Erinnerungen. Helene Bukowski integriert „in entwaffnender Ehrlichkeit […] den Prozess ihrer Auseinandersetzung mit der Biografie der jungen Pianistin in ihren Text.“
Die Jury betont: „Ihr Buch hebt von der Faktenbasis ab und zu einer Reflexion darüber an, wie Träume an den Ansprüchen einer Gesellschaft und der eigenen Perfektion zerbrechen können.“ Damit kann dieser Roman auch als innovativer Beitrag „zur modernen dokumentarischen Literatur wahrgenommen“ werden. Zugleich verbindet die Autorin „erzählend die Suche nach ihren eigenen mentalen Prägungen als Nachwendekind“ mit dem Erzählen des Schicksals dieser jungen Pianistin in der DDR. Und ihr gelingt es „überzeugend, die gesellschaftliche Atmosphäre einer Epoche im scheinbar Privaten erlebbar werden zu lassen.“ (Zitate: Jury Annalise-Wagner-Preis 2026).
Helene Bukowski, geboren 1993 in Berlin, studierte am Literaturinstitut Hildesheim. 2019 erschien ihr Debütroman »Milchzähne«, der für das Kino adaptiert wurde. 2022 folgte »Die Kriegerin«. Ihre Bücher wurden vielfach besprochen und in mehrere Sprachen übersetzt. Heute lebt sie als freie Schriftstellerin wieder in ihrer Geburtsstadt und der Niederlausitz. (Claassen Verlag).
Die Annalise-Wagner-Stiftung ist ein testamentarisches Vermächtnis von Annalise Wagner (1903-1986) aus Neustrelitz. 1991 wurde sie als Treuhandstiftung der Stadt Neubrandenburg errichtet und war die erste neue Kulturstiftung im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Der 35. Annalise-Wagner-Preis wird anlässlich des 40. Todestages der Stifterin am 26. Juni 2026 im Kulturquartier Mecklenburg-Strelitz in Neustrelitz verliehen.

