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Alte Kachelofenfabrik, Gensch, Gespräch, Mecklenburg-Strelitz, Neustrelitz, Programmkino
Zum Film „KINOLEBEN – ÜBER DAS ARSENAL IN TÜBINGEN UND WEITERE PROGRAMMKINOS“ kommt der Regisseur Goggo Gensch am Donnerstag, 14. Mai um 19.30 Uhr, in die Alte Kachelofenfabrik Neustrelitz. Lange Zeit prägte das Kino „Arsenal“ das kulturelle Leben Tübingens. Das legendäre Programmkino schloss nach 50 Jahren im Februar 2024 seine Tore. Nachdem der letzte Film gezeigt wurde (‚Die letzte Vorstellung‘ von Peter Bogdanovich), begleitet der Filmemacher Goggo Gensch den Arsenal-Gründer Stefan Paul auf eine bewegende Reise: Gemeinsam besuchen sie die Orte, an denen in Deutschland Programmkino-Geschichte geschrieben wurde.
Doch zuerst sehen wir in „Kinoleben“ Bilder vom Abschied. Viele Menschen sind gekommen, um sich den letzten Film im „Arsenal“ anzusehen. Vor dem Gebäude hält Stefan Paul eine berührende Rede. „Das Arsenal war mein Lebenswerk“, sagt der Filmverleiher und Kinomacher der ersten Stunde. Als er 1974 das „Arsenal“ gründete, war es das erste Programmkino Baden-Württembergs. Welchen Stellenwert es für die Tübinger hatte, zeigt sich an den Äußerungen der Anwesenden. Gensch entlockt ihnen ganz persönliche Erinnerungen. Den ganzen Film über erweist sich der Regisseur als interessierter, einfühlsamer Interviewer und Gesprächspartner. Ein Regisseur, der vor unangenehmen Fragen nicht zurückschreckt. So konfrontiert er Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer mit der Frage, ob die Stadt vielleicht zu wenig unternommen habe, um das Kino zu retten.
Ikonen kommen zu Wort
Daneben lässt Gensch Ikonen der Programmkino-Szene (Wim Wenders, John Waters) ebenso zu Wort kommen wie Schauspieler (Ulrich Tukur), Wissenschaftler, Filmkritiker und Drehbuchautoren. Sie alle geben ihre kundigen Einschätzungen zur Lage der Programmkinokultur in Deutschland ab.Gensch erweist sich als akribischer, bewanderter Chronist. Um die Bedeutung der lokalen Programmkinos zu verstehen, muss man einen Blick auf die späten 60er- und frühen 70er-Jahre der alten Bundesrepublik werfen. In dieser Ära zentraler gesellschaftlicher Umbrüche und des kulturellen Aufbegehrens liegen die Ursprünge der Filmkunstkinos. Fotos und Bewegtbild-Aufnahmen veranschaulichen die Aufbruchstimmung jener Zeit. Und so entstanden allmählich jene Kinos für anspruchsvolle, sozialkritische Indie- und Undergroundfilme, die alternative Denkweisen förderten und über die anschließend engagiert debattiert werden konnte. Orte zum Fachsimpeln oder für ein gemütliches Gespräch, denn Kinos wie das „Arsenal“ waren immer beides: Anlaufstelle für Filmschaffende sowie Kinofans und gleichzeitig ein Treffpunkt mit gastronomischem Angebot.
Am Ende des Films kehrt Gensch dann wieder zum Ausgangsort zurück. Die Schilder im „Arsenal“ werden abgehängt, die Sessel abmontiert und das Gebäude geräumt. Die Mitarbeiter machen letzte Fotos vom Vorführraum und Kinosaal. Es ist das Ende einer Kult-Spielstätte, von denen es in Deutschland aktuell noch einige Hundert gibt: Liebevoll geführte Kinos mit ausgesuchtem Programm, die sich gegenüber Streaming und den Mainstream-Kinocentern wacker behaupten.
