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Laura Albert übernimmt in der „Csárdásfürstin“ den Part der Sylva Varescu. Fotos(4): Theresa Lange

Im Jubiläumsjahr „250 Jahre Theater“ stand auch der Neustrelitzer Theaterball unter dem Eindruck der Geschichte. Vor allem aber war er ein großes Fest. Hatte sich vor einem Jahr noch die Sorge um die Deutsche Tanzkompanie und um das Theater in die Feierlaune gemischt, so überwog diesmal ganz klar die Freude über die zwischenzeitlichen guten Nachrichten. Und es war Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, die dieser Freude einen ganz persönlichen Anstrich gab und ein sehr deutliches Bekenntnis zu unserem Theater und mehrfach zur Deutschen Tanzkompanie gab. So war dieser Samstagabend auch immer wieder die Bühne für den Dank an die Künstler. „Wir brauchen Sie. Und M-V braucht seine Theater und Ensembles.“ 

Hausherr Sven Müller hatte in seinen Eröffnungsworten die Bedeutung und die Aufgaben des Theaters hervorgehoben: „Gern sind wir ein Sehnsuchtsort.“ Zugleich bietet unser Theater „lebendige Resonanzräume der Gesellschaft, Orte der Reflexion, des Diskurses, der Gemeinschaft.“ So erreichen die Angebote über 100.000 Menschen im Jahr  – und das live und persönlich. „Wir bieten Lösungen für gesellschaftliche und politische Herausforderungen. Und – im Rausch der Zeit – möchten wir gemeinsam mit Ihnen die Zukunft gestalten.“

Gesellschaftlicher Zusammenhalt erfahrbar

Ganz in diesem Sinne wurde es ein Abend, in dem gesellschaftlicher Zusammenhalt erfahrbar wurde. Der Theaterball vollbrachte das Kunststück, Entschleunigung erfahrbar zu machen. Er stand für analoges und gemeinsames Vergnügen. Das Motto „Im Rausch der Zeit!“ führte in die Zeit der vorletzten Jahrhundertwende, in die Ball-Hauptstadt Wien, und so wurde an Sentiment und viel-Völker-bunter Folkore nicht gespart. Ein wenig lockte auch schon die Czardasfürstin, die im Sommer auf dem Schlossberg Hof halten wird.

Aus all dem sprach nicht die Weltuntergangsstimmung des Fin de Siecle. Vielmehr war die gute Laune das verbindende Element in diesem „Rausch der Zeit“. Und so zeigte sich Intendant Müller sicher: „Wenn wir heute Abend in unserem kleinen Theater gemeinsam eine bessere Welt erschaffen können – dann ist sie auch in den kommenden 250 Jahren möglich!“

Historie mit Augenzwinkern

Der Vorsitzende des Theaterfördervereins, Marco Zabel, griff die Historie auf mit einem Augenzwinkern auf: „Ohne Corona-Pause wäre es heute der 25. Ball, aber das ist ja doch nur eine Zahl.“ Und wie bei 250 Jahren Theater eine Frage der Zählweise, und eigentlich zähle ja immer der Moment … „Heutzutage wird das Theater alljährlich mit gößtem Aufwand in ein Ballhaus verwandelt. Nur Engagement, Kreativität und Können aller Beteiligten sind noch größer. Und sie machen diesen Ball so besonders. Er steht nicht für sich, sondern für die kulturelle Substanz und die Leuchttürme der Region.“

Der Historiker machte klar: Einst entstand das fürstliche Theatro, das heutige Landestheater aus einem Ballhaus, der Redoute. Ausgerechnet der von Fritz Reuter als „Dörchläuchting“ verspottete Herzog erweist sich als auf der Höhe seiner Zeit, gar seiner Zeit voraus. Die Gründung des festen, also institutionalisierten, Mecklenburg-Strelitzischen Hoftheaters, war nüchtern betrachtet visionär, die Struktur wegweisend, es ist mit Abstand das erste stehende Theater in Mecklenburg-Vorpommern gewesen und gehört zu den ältesten im gesamten deutschen Raum. „Die eigentliche Großtat aber waren Erhalt, Bestand und Weiterentwicklung, während andere neugegründete Hoftheater in ganz Deutschland schon bald wieder schließen mußten. Das erste, 1775 gegründete, in Gotha bereits nach drei Jahren.“

Zum Ensemble gehörten schon damals Schauspieler, Sänger und Tänzer. Der Spielplan wurde in einer Art Spartenkollektiv bestimmt. Auch wenn die Quellen anfänglich nur dünn fließen, man gab Komödie, Drama, Oper, Ballett. „Mit Blick auf die Kunst, aber auch die Arbeitsbedingungen und den sozialen Status, war diese Hoftheatergründung ein großer Schritt.“

Ein weiterer glücklicher Moment

In der langen Geschichte des Neustrelitzer Theaters steht der Theaterball 2026 für einen weiteren glücklichen Moment. Und so sieht der Theaterförderverein sich gern als Sprachrohr derer, die diesen – wie immer ausverkauften – rauschenden Abend genossen – und ihn nun in den Alltag mitnehmen. Die Sentenz „Tanzen möcht’ ich, jauchzen möcht’ ich“ von Edwin und Sylva aus der „Czardasfürstin“ steht auch für die zu würdigenden Einzel- und Gesamtleistungen des großen „Ballteams“ aus Neubrandenburger Philharmonie, Deutscher Tanzkompanie, den Solisten und Ensembles von Musiktheater und Schauspiel, dem Opernchor, der Pasternack-Band, des Service‘, der Gastronomie und den vielen „unsichtbaren“ Helfern! 

Bevor es tanzend in die Nacht ging verlieh der Theaterförderverein am späten Abend seinen Theaterpreis „Verbeugung“. Mit dabei viele der bisherigen Preisträger, unter Ihnen die allererste Preisträgerin Regine Sacher. Der diesjährige, nunmehr 25. Preis, ging an die Schauspielerin Josefin Ristau. (Dazu morgen mehr hier im Blog.)

Gefeierte Tanzkompanie: Sara Branco an der Seite von Luka Magalhães.
Unter den Ballbesuchern auch MV-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (vorn rechts) im Gespräch mit Preisträgerin Josefin Ristau, hinten Intendant Sven Müller.
Allen voran Zeremonienmeister Axel Rothe von der Deutschen Tanzkompanie.