Schlagwörter
Landestheater, Mecklenburg-Strelitz, Neustrelitz, Satire, Schauspiel, Sein oder Nichtsein, Tragikomödie

Mit der Tragikomödie „Sein oder Nichtsein“ von Nick Whitby nach dem gleichnamigen Film von Ernst Lubitsch hat die Theater und Orchester GmbH ein Meisterwerk der Satire meisterlich auf die Bühne gebracht. In den stehend dargebrachten minutenlangen Schlussapplaus am vergangenen Freitagabend bei der Premiere am Landestheater Neustrelitz (Strelitzius berichtete kurz) mischten sich immer wieder Bravo-Rufe. Die gekonnte Inszenierung des berühmten Stücks durch Gastregisseurin Naemi Friedmann, glänzend ausgestattet durch die ebenfalls gastierende Sarah Wolters, ist ein mehr als würdiger Schauspielbeitrag zum denkwürdigen Jubiläum 250 Jahre Theater für die Seenplatte.
Als aus Berlin Zugezogener darf ich Landestheater Neustrelitz und Schauspielhaus Neubrandenburg mit den vielfältigen Angeboten beider Häuser erst seit gut 30 Jahren genießen. Und möchte sie nicht missen. „Sein oder Nichtsein“ zeigt einmal mehr, welch hohe künstlerische Qualität und Kreativität unter dem Dach der TOG beisammen sind. Gesegnet mit einem bei aller personellen Bewegung immer wieder großartigen Ensemble in ihren Sparten, bringt sie eine überdurchschnittliche Produktion nach der anderen hervor. Und macht der Region alle Ehre.
Trotz Vorbereitung durch den Lubitsch-Film, ist ja auch ein paar Jahrzehnte her, hat mich die rasante Neustrelitzer Bühnenfassung von „Sein oder Nichtsein“ überrascht. Wie schwer vorstellbar ist es doch, eine Komödie ausgerechnet im von den Nazis besetzten Warschau anzusiedeln und die Akteure einer Theatertruppe im Gestapo-Hauptquartier agieren zu lassen. Und doch, die Gratwanderung zwischen Beklemmung und Vergnügen ist auch in Neustrelitz gelungen. Schauspieler spielen beeindruckend Schauspieler, eine Hommage an die Kraft des Theaters. Dazu die Botschaft, dass jeder einzelne von uns gerade auch in finsteren Zeiten gefordert ist. Die Dramaturgie der Aufführung teilten sich Schauspieldirektor David Czesienski und Schauspieldramaturg Oliver Lisewski.
Zu Recht gefeiert, und ein Kompliment extra
Josefin Ristau und Florian Rast als Schauspielerehepaar Tura und Kit Kanke als Gestapo-Gruppenführer Erhardt und als Zensurbeamtin Walowska brillieren in den Hauptrollen. Lennart Klappstein, Kevin Knobloch, Anika Kleinke, Dirk Schmidt, Charlotta Grimm und Matthias Horn machten den Auftritt komplett und wurden ebenfalls zu Recht gefeiert. Ein Kompliment extra an Larissa Emma Voulgarelis. Die junge Mimin, seit dieser Spielzeit bei der TOG, überzeugte ebenfalls in einer Doppelbesetzung als anrührende Tochter des jüdischen Schauspielers Grünberg und als Gestapo-Spion Professor Silewski.
Des eindringlichen Schlussvortrags der Schiller-Worte „Der Menschheit Würde ist in eure Hand gegeben. Bewahret sie! Sie sinkt mit euch! Mit euch wird sie sich heben!“ durch den Statisten Falk Jagszent hätte es vielleicht gar nicht bedurft, als die Warschauer Theaterleute auf ihrer Flucht im Neustrelitz von heute landen und willkommen geheißen werden. Die Wahrheit zu bekräftigen, kann aber auf keinen Fall geschadet haben. Und so mancher Theatergänger hat sich auf dem Weg nach Hause auf dem Vorplatz des Bühnenhauses noch einmal umgedreht. Das Zitat ist immer am Giebel des Landestheaters nachzulesen. Es steht dem Gebäude und der Residenzstadt gut.
Weitere Vorstellungen von „Sein oder Nichtsein“ am Landestheater Neustrelitz am 6. und 14. März, jeweils 19.30 Uhr, sowie am 29. März um 16 Uhr. Am 17. März um 10 Uhr gibt es eine Schulvorstellung.






