Schlagwörter

, , , , , ,

Am Mittwoch, 11. Februar, um 19.30 Uhr, kommt der Regisseur Heinrich Sabl ins Fabrik.Kino der Alten Kachelofenfabrik Neustrelitz und stellt seinen Film MEMORY HOTEL zur Diskussion.

Deutschland im Jahre 1945: Die fünfjährige Sophie und ihre Eltern fliehen vor der Roten Armee. Im Gepäck haben sie nur ein paar Kleidungsstücke und Fahrkarten für ein Schiff nach Amerika. Aber während einer Rast im Hotel gerät die Familie in einen Konflikt mit dem brutalen Nazioffizier Scharf und seinem Hitlerjungen Beckmann – mit fatalen Folgen. Im brutalen Handgemenge verliert die kleine Sophie nicht nur ihre Eltern, sondern auch ihre Erinnerungen. Als sie wieder zu sich kommt, ist das Hotel in sowjetischer Hand und sie zur Köchin des Hauses befördert. Die Jahrzehnte verstreichen wie im Flug und unter der Obhut des Sowjetsoldaten Wassili wächst Sophie zur Frau heran. Noch ahnt sie nicht, dass die Wahrheit über ihre Vergangenheit den Weg in ihre Zukunft ebnen wird. Sie ahnt auch nicht, dass der ein Hinweis im Luftschutzkeller des Hotels seit vielen Jahren nur darauf wartet, von ihr entdeckt zu werden. 

Den Film hat Heinrich Sabl als Puppentrickfilm animiert, und entstanden ist eine ästhetisch einzigartige, kunstvoll-surreale Parabel auf die deutsche Nachkriegsgeschichte und ein Meisterstück des analogen Filmhandwerks. Für die Stimmen der Puppen konnte Heinrich Sabl großartige Sprecherinnen und Sprecher gewinnen, nämlich die erste Garde der deutschen Film- und Theaterszene: die wunderbare Dagmar Manzel spricht die erwachsene Sophie, Steffi Kühnert und Florian Lukas übernehmen die Stimmen der Eltern, und Milan Peschel spricht den Beckmann.  

Zur Erschaffung von Kunst sind manchmal ein extrem langer Atem und viel Durchhaltevermögen notwendig. Der Berliner Puppenspieler und Animationskünstler Heinrich Sabl dürfte darin einen neuen Rekord aufgestellt haben: Mit den Dreharbeiten für diesen faszinierenden Arthouse-Animationsfilm „Memory Hotel“ begann er 1999. Nach 26 Jahren minutiöser Kleinarbeit kommt nun die in klassischer Stop-Motion-Technik und mit analoger Kamera realisierte Geschichtsparabel ins Kino. Der Film ist ein absolutes Kinojuwel – klug, aufrüttelnd und visuell atemberaubend. 

Heinrich Sabl wird beim Gespräch im Fabrik.Kino vom ehemaligen Chefdramaturgen am Landestheater Neustrelitz, Matthias Wolf, begleitet. Wolf kennt Sabl schon aus der Zeit am Puppentheater Neubrandenburg, dem ersten Puppentheater der DDR, das nicht nur als Kindertheater fungierte, sondern kontinuierlich Inszenierungen für Erwachsene im Repertoire hatte.