Schlagwörter
Mecklenburgische Kleinseenplatte, Mirow, Planung, Visualisierung, Windkraftanlagen

Mein geschätzter Leser Uwe Born aus Peetsch hat noch einmal alle Register gezogen. In seiner jüngsten Einsendung visualisiert er die am Ortsrand von Mirow geplanten Windkraftanlagen (Strelitzius berichtete) aus der Sicht der Einfahrt zum Parkplatz Edeka und Aldi.
Die beiden halbdurchsichtigen Anlagen rechts sind die in der aktuellen Planung zunächst entfallenen Windkraftanlagen auf der südlichen Fläche.
Auch als Wesenberger bin ich von dem Anblick, den die Nachbarstadt dann bieten wird, einigermaßen erschüttert. Das ist wirklich schwer verdaulich. Der noch jungen Bürgerinitiative wünsche ich bei dieser Gelegenheit viel Widerstandskraft.
Ist dieser Hass auf Windkraft eigentlich schon pathologisch?
Bei mir jedenfalls nicht.
Und dort, wo die Windräder nicht 250 Meter oder mehr in den Himmel ragen, düsen dann nach der gestrigen Freigabe die Tiefflieger auf 75 Meter über die Seenplatte. Bombodrom lässt grüßen.
Das Bild erschüttert in der Tat, ebenso wie ein ähnlich beeindruckendes mit Blick über den Zierker See, was hier auch schon gezeigt wurde. Die Mirower sind noch zu beneiden, dass ein Bürgermeister mit ihnen an einem Strang zieht. Das sieht in Neustrelitz anders aus. Unfassbar, dass die wenigen wirtschaftlichen Stärken der Region verspielt werden könnten.
In Bayern gibt es den Fön: da wirken bei entsprechender Wetterlage Objekte in der Entfernung optisch näher und als sie tatsächlich sind. Genau so wirkt diese bildliche Darstellung auf mich. Und damit ein Stück an der Wirklichkeit vorbei. Möchte dem Ersteller keine Absicht (Panikmache) unterstellen und nehme einfach an dass beim Erstellen des Bildes handwerkliche Fehler gemacht wurden. („KI“?)
Eventuell wurde ja ein 150mm Teleobjektiv simuliert? Leider geht das auch wieder weit an der natürlichen Wahrnehmung vorbei.
Wenn man das mal in einem 3D Programm nachbaut schaut es doch etwas anders aus mit den Größenverhältnissen. Gibt es denn keine solche Darstellung von offizieller Seite?
Wenn man etwas in Zweifel stellt, sollte man doch bitte den Gegenbeweis führen und es besser/richtiger machen. Es reicht das Gefühl des Kritikers nicht aus, dem Ersteller der Visualisierung handwerkliche Fehler zu unterstellen. Leider ist es heute so, dass die Visualisierungen nicht von öffentlicher Stelle geliefert werden.
Architekten und Stadtplaner lernten früher als erstes Planung zu visualisieren. Deshalb mussten sie zeichnen können! Visualisierung heißt Planung für Otto Normalverbraucher so darzustellen, dass durch Ansicht, Draufsicht, Schnitt und (damals) Fotomontage ein realisitsches Bild entsteht, wie die Planung aussieht, wenn sie realisiert wird. Visualisierung heißt nicht auf zweidimensionalen Karten erst rote, dann grüne Flecken aufzubringen, wie es jetzt bei dem aktuellen Planentwurf geschehen ist.
Frage: Könnte die Vermeidung solcher traditionellen Planungswerkzeuge möglicherweise mit Absicht geschehen, um die erschreckenden Ausmaße von 260m hohen Industrieanlagen in unserer Landschaft nicht zu deutlich zu machen?
Wenn man sich schon jahrelang mit dem Thema beschäftigt und immer wieder nur dem Schönreden von Industrieanlagen in Naturlandschaften von Seiten der Politik begegnet, entstehen solche Fragen. Davon können alle Bürgeriniatitiven gegen den Windkraftausbau in Deutschland ein Lied singen.
Also kann man entweder die Augen schließen und abwarten, ob es vielleicht doch nicht so schlimm aussieht oder von der Planungsbehörde eine Visualisierung fordern. Man wird überrascht sein, welche Ausreden man zu hören bekommt.
Als bitte macht nicht die Initiative eines Einzelnen schlecht, sondern fordert die Informationen an der richtigen Stelle ein!
Vielleicht kommen dann noch mehr Menschen zu der Erkenntnis, dass sie selbst etwas unternehmen müssen. Das würde mich sehr freuen.
Andreas Blohm
BI Lebenswerte Seenplatte
Jens Ansorg aus Granzow hat geantwortet:
Sie, lieber Herr Herr Blohm, haben angemerkt, dass Kritik allein auch nicht reicht. Also möchte ich es hiermit besser machen. Ich habe aufgrund der mir zur Verfügung stehenden Informationen versucht, das Scenario in FreeCAD nachzubauen. Grundlage ein Screenshot von OpenStreetMap für die Positionierung und Größenverhältnisse (Übersichtsbild). Darin also: schematische Blöcke für Aldi, Edeka und 8 Windräder (ja die sind so riesig) ungefähr an richtiger Position wie ich hoffe. Und zwei Personen an der Straße gegenüber den Supermärkten. Aber die sieht man in der Übersicht gar nicht.
https://strelitzius.com/wp-content/uploads/2025/12/Mirow-Windrad-Uebersicht.png
Dann ein Bild aus der Perspektive dieser zwei Personen. Das schaut – wie ich finde – weniger dramatisch aus, oder?
https://strelitzius.com/wp-content/uploads/2025/12/Mirow-Windrad-Perspektive.png
Man kann gern kritisieren, die Anlagen bringen Herausforderungen mit sich, die gegen den Nutzen abzuwägen sind. Dabei sollte man aber bei den Tatsachen bleiben.
Wie wäre es mit einer maßstabgerechten Luftaufnahme. Dann wären die Abstände sicher eindeutig zu erkennen. Nichts gegen eine Aktion gegen Windräder, wir leben ja zum Glück noch in einer Demokratie, aber dieses Foto kommt mir ein wenig realitätsfern vor.
Puh, das ist ja ein komplexes Thema. Und da wir als Leussower nicht reflexartig „Windenergie ja, aber nicht vor unserer Haustür“ sagen wollen, haben wir die Planungsunterlagen versucht zu verstehen. Und noch Freunde gefragt, die sich mit der Materie auskennen.
Grundsätzlich begrüßen wir die Wende hin zu CO2-neutraler Energieerzeugung. Also zu klimaschonenden Anlagen, die natürlich möglichst wenig Schäden für Tier und Landschaft verursachen sollen. Aber zu den konkreten Planungen in Leussow und Mirow: Im Anhang C der Natura-2000-Verträglichkeitsprüfung wird die Auswirkung von Windrädern im Planungsgebiet 95 und 96 auf Vögel und Fledermäuse sehr detailliert geprüft, ewig lange Listen von Tieren die beeinträchtigt sein könnten, genaue Abstände zu Brut- und Rastplätzen usw (S. 810-821). Das Fazit ist, dass die Schutzziele nicht gefährdet sind.
Bleibt das Argument „die Dinger sind nicht schön“. Mal abgesehen davon, dass kein Bergwerk und kein Kraftwerk der Landschaft guttut, würde ich eher den Blick mal auf die Vorteile wenden wollen. Also: was gewinnen wir, wenn wir die Windräder akzeptieren?
Durch das EEG ist geregelt, das 0,2 ct je kWh an Gemeinden im Umkreis von 2,5 km um jede Windenergieanlage abgeführt werden können. Das liegt in der Größenordnung von 30.000 Euro pro Windrad, verteilt auf die Gemeinden in diesem Bereich. Pachterträge kommen ggf. in ordentlicher Höhe dazu.
Insgesamt neigen wir zu folgender Haltung: für unsere Gemeinde bestmöglichen Nutzen aushandeln, Geld für schöne lokale Projekte einsetzen, statt pauschal abzulehnen. Wenn dies die Debatte weiter öffnen würde, würden wir es begrüßen.
Wozu diesen senkrechten Umweltschrott? Bei der Herstellung von diesem Mist fällt bei Ihnen wohl kein lebensnotwendiges CO2 an?
Es gibt noch so viel mehr Gründe, die gegen Windräder sprechen – nicht nur die Optik, Vögel und Fledermäuse!
Freisetzung feinster Partikel, die Lebenwesen schädigen (Stichwort lungengängig, krebserregend) und den Boden kontaminieren.
Bei einem Brand kann nur zugeschaut werden. Wehe dem darunter ist im Hochsommer ein trockenes erntereifes Feld! Und noch Leute in der Nähe!
Bau der Windräder mit Rohstoffen, wofür Regenwald abgeholzt wird.
Gewinnung weiterer Rohstoffe z.B. in Asien unter unmenschlichen, krank machenden Bedingungen.
Es ist nur ein Grünwaschen für unser deutsches Gewissen!
Verbraucht nicht jeder Bau von Kraftwerken Rohstoffe? Und ein Argument vermisse ich bisher (falls ich es nicht überlesen habe): Wind- und Sonnenenergie sind zwar nicht kontinuierlich, aber beständig verfügbar. Das reduziert unsere Abhängigkeit von Drittländern. Die Gewinnung von Kohle und Gas in Deutschland ist dort, wo es überhaupt noch lohnt, mit viel massiveren Auswirkungen verbunden.
Ich würde nie sagen, dass der Bau von Windparks keine negativen Auswirkungen mit sich bringt. Plädieren würde ich aber dafür, die Vorteile auch sachlich zu wichten. Und die lokale Betroffenheit abzuwägen mit den überregionalen Zielen. Es ist irgendwie nicht mehr zeitgemäß, auf die Erderwärmung hinzuweisen, aber bringt die nicht auf längere Sicht viel mehr Einschränkungen für die Menschen (und Tiere, Landschaft etc)?