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Die jahrzehntelangen Bemühungen und nachweislichen Erfolge bei der Wiederansiedlung des Baltischen Störs (Acipenser oxyrinchus) in der Ostsee haben einen weiteren Meilenstein erreicht: Erstmals wurden im Rahmen eines länderübergreifenden Pilotprojektes der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern (LFA MV) und der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften (SLU) Störe mit Satellitensendern ausgestattet.

„Die Satellitentelemetrie eröffnet völlig neue Möglichkeiten, die Wanderwege der besetzten Störe in der Ostsee präzise, kontinuierlich und großräumig zu erfassen. Der größte Vorteil dabei ist, dass Satellitensender nicht an zuvor festgelegte Receiverstationen gebunden sind. Im Gegensatz zur herkömmlichen Akustiktelemetrie lassen sich mit Satellitensendern durch den Einsatz von lichtbasierter Geolokalisation die gesamten Wanderbewegungen über Hunderte bis Tausende Kilometer dokumentieren, auch in offenen Meeresbereichen“, sagt MV-Fischereiminister Till Backhaus.

„Zusätzlich können, durch die Verwendung verschiedener Sensoren, die Temperatur, Beschleunigung und vertikale Bewegung der Störe, über die aufgenommenen Daten, dargestellt werden. Dadurch lassen sich nicht nur bekannte, sondern auch neue oder bislang unerkannte Lebensräume wie Laichplätze, Nahrungsgründe oder Überwinterungsareale identifizieren. Darüber hinaus bekommen Wissenschaftler unter Umständen sogar ein Life-Update über den aktuellen Standort der Störe, vorausgesetzt, dass diese sich lange genug an der Wasseroberfläche aufhalten, sodass einer der 18 ARGOS-Satelliten ein Signal erfassen kann“, so der Ressortchef.

Ein weiterer Vorteil: Die Nutzung von Satellitensendern ermögliche eine besonders tierschonende Forschung. Nach dem Anbringen der Sender an einer Knochenplatte seien keine weiteren Eingriffe erforderlich, was eine Beobachtung des natürlichen Verhaltens erlaube. Die gewonnenen Erkenntnisse trügen direkt zur Verbesserung von Schutzmaßnahmen bei. Erste Ergebnisse zeigten, dass einzelne Tiere innerhalb von 87 Tagen mehr als 100 Kilometer bis vor die schwedische Küste zurücklegten.

Fangmeldungen liefern zusätzliche Daten

Die Satellitentelemetrie ergänzt die seit 2022 laufende akustische Telemetrieforschung, mit der sich die Bewegungen der Störe in küstennahen Bereichen und Flusssystemen wie Oder und Stettiner Haff nachvollziehen lassen. Über das European Tracking Network (ETN) sind diese Bewegungen sogar länderübergreifend bis nach Dänemark und Schweden dokumentierbar. Neben diesen technischen Innovationen bleibt auch die Einbindung der Berufs- und Angelfischerei ein wichtiger Baustein für das Monitoring. Fangmeldungen liefern wertvolle zusätzliche Daten. Nicht zuletzt erlaubt die Kombination aller Datensätze über Monate oder sogar Jahre hinweg die Erstellung von Zeitreihen, die für das Verständnis von Veränderungen in den Lebensgewohnheiten der Störe, etwa infolge des Klimawandels, von zentraler Bedeutung sind.

Die Wiederansiedlung des Baltischen Störs wird seit den 1990er Jahren intensiv von der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern (LFA) zusammen mit Partnern in Deutschland und darüber hinaus vorangetrieben. Der als „lebendes Fossil“ geltende Stör, der mehr als 200 Millionen Jahre Evolution überdauert hat, galt in der Ostsee seit den 1970er Jahren als ausgestorben. Basierend auf genetischen Untersuchungen wurde 2002 entschieden, den nordamerikanischen Atlantischen Stör (Acipenser oxyrinchus), eine für den Baltischen Raum ursprüngliche Art, in der Ostsee wiederanzusiedeln. Dazu wurden ab 2005 und 2006 Laichtiere aus Kanada importiert und seit 2010 erfolgreich an der LFA MV vermehrt.