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Ausstellung, Burg Stargard, Landschaftsbilder, Malerei, Marie-Hager-Haus, Mecklenburg-Strelitz
In der kommenden Ausstellung des Marie-Hager-Kunstvereins, welche am 16. März um 14 Uhr im Marie-Hager-Haus in Burg Stargard eröffnet wird, werden wieder bedeutende private Leihgaben erstmalig der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Den Schwerpunkt der aktuellen Ausstellung bildet mit rund 30 seltenen Werken die Landschaft Mecklenburg-Vorpommerns. Zum Tee bei Hager um 15 Uhr hält der Dipl. Museologe Frank Saß einen Vortrag zu den Malern der norddeutschen Städte und Landschaften. Karten hierfür sind im Marie Hager-Haus erhältlich
Die Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen des 19. und 20. Jahrhunderts fangen die Landschaft auf ganz unterschiedliche Weise ein. Eines ist ihnen allen jedoch gemeinsam – der Reiz, der zauberhaften Natur Seele und Stimmung einzuhauchen.
So werden drei unterschiedliche Waldstücke des 1853 in Levensdorf bei Waren/Müritz geborenen Hugo Richter-Lefensdorf erstmalig in Burg Stargard gezeigt. Der Künstler studierte wie Marie Hager bei Eugen Bracht und ging 1890 nach Ahrenshoop, wo er 1894 zusammen mit Paul Müller-Kaempff, Elisabeth von Eicken, Friedrich Wachenhusen und Fritz Grebe die bekannte Künstlerkolonie Ahrenshoop gründete. Er erschoss sich 1904 in Ahrenshoop. Die erste Einzelausstellung seit 120 Jahren mit 60 Bildern wurde ihm 2024 in Ahrenshoop gewidmet.
Ahrenshoop avancierte zum Mekka der Landschaftsmaler. Gemalt wurde meist „Plein Air“, also direkt an der freien Luft vor den Motiven. Elisabeth von Eicken (1862 – 1940) gelingt es mit einem kleinen Pastell meisterhaft, angedeutet nur durch perfekte Farbakzentuierung und Linienführung, eine junge Frau als moderne Daphne zwischen zwei Ästen mit dem Grün des Waldes verschmelzen zu lassen. Wilhelm Eilers (1857 – 1919) begibt sich wie viele seiner Zeitgenossen bereits 1887 auf Stippvisite nach Ahrenshoop, um dort naturalistisch zu aquarellieren.
Die Schwaaner Künstlerkolonie ist der Ahrenshooper durchaus ebenbürtig. Schon um 1860 entdeckte Carl Malchin (1838-1923) die Landschaft rund um Schwaan. Einer der Höhepunkte der Ausstellung sind zwei wundervolle Sommerlandschaften von Franz Bunke (1857-1939), der die Schwaaner Kolonie um 1890 gründete. Er unterrichtete u.a. den ebenfalls in Schwaan geborenen Peter Paul Dreawing (1876 – 1940). Von ihm hängt ein Schwaaner Gemälde ebenbürtig neben seinem Meister. Auch ein weiterer seiner Schüler, Wilhelm Facklam (1893 – 1972), ist in der Ausstellung vertreten.
Zu sehen sind außerdem zwei durch Pferde meisterhaft „bewegte“ Landschaften des Lassaner Pferde-Malers Alfred Roloff (1879 – 1951), sowie das monumentale Gemälde eines Mecklenburger Gestütshofes des Malchiner Malers Fritz Greve (1863 – 1931).
Seltene Werke der Feldbergerin Johanna Reincke
Von großer Seltenheit sind jedoch die Werke der Feldberger Landschaftsmalerin Johanna Reincke (1874 – 1948), die sich wie Marie Hager als Frau beharrlich unter widrigen Lebensumständen der Malerei widmete und 1911 zusammen mit ihren Zeitgenossinnen Marie Hager (1872 – 1947), Elisabeth Huther (1885 – 1968) und Sella Hasse (1878 – 1963) auf der „Ersten Mecklenburgischen Kunstausstellung“ ausstellen durfte. Viele Ihrer Werke sind jedoch verloren und die wenigen erhaltenen befinden sich wohl ausschließlich im Privatbesitz. Umso erfreulicher ist es, nun erstmals vier ihrer Werke von unterschiedlichen privaten Leihgebern in der Ausstellung wieder gemeinsam mit Gemälden Marie Hagers zeigen zu können.
Die sehenswerte Ausstellung spannt einen weiten Bogen über die Landschaften, Städte und Dörfer von Ahrenshoop, Upahl, Schwerin, Schwaan, Rostock, Rügen, Malchin, Broda, Carwitz und Feldberg nach Burg Stargard. (Michaela Rohr, Marie Hager-Kunstverein-Burg Stargard e.V.)


