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Glosse

Eigentlich wollte ich ja auch Pferdeflüsterer werden. Aber 1998, als mir Robert Redford als Berufsberater zur Seite stand, war es mit mir schon zu spät, um noch umzukehren. Und so wurde ich halt ein Schreiberling, was ich heute noch bin. Und, in festen Händen war ich ja seinerzeit auch. Umso mehr bin ich beglückt, dass ich jetzt, 26 Jahre später, trotzdem zumindest theoretisch mit Pferden kommunizieren kann. Wenn auch nicht flüsternd. Ich komme einfach nicht nah genug an sie heran. Und wenn ich distanzbedingt all die mir neu gegebene Lautstärke aufbiete, gehen die Pferde höchstens durch. Also, jetzt nicht mit mir. Aber auf der Koppel.

Übrigens kann ich auch Hunde anbellen. Aber, das führt jetzt vielleicht zu weit für den Leser dieser Zeilen. Zumal ich bei meinem sprachlichen Austausch von Mensch zu Tier noch am Anfang stehe. Und ich muss ja auch Rücksicht nehmen auf meine Artgenossen. Wenn ich denen von hinten komme, und die sind auch noch schreckhaft, nicht auszudenken. Es könnte sie glatt aus dem Sattel hauen. Oder aus den Schuhen. Womit wir der Erhellung des Themas ein gehöriges Stück näher gekommen wären.

Kurzum, ich bin nach langer Ignoranz altersgetrieben doch noch unter die E-Biker gegangen. Und durchaus glücklich mit dem zweirädrigen Ergebnis meiner aufwändigen Wahl. Wobei die Tatsache, dass ich statt zu klingeln nunmehr auch warnend wie ein Pferd wiehern und wie ein Hund bellen kann, eher nicht entscheidend war. Da ist die Wahl keine Qual. Ich weiß auch jetzt schon, dass ich den in das Gefährt eingebauten Lautsprecher nicht in Gang setzen und damit unser aller Seenplatten-Idylle akustisch schänden werde. Lieber Rohrdommel live als Rammstein aus der Konserve.

Neben Pferden und Hunden kann ich zusätzlich die eingebaute KI kontaktieren. Aber, ehe ich der mein Begehren mitgeteilt habe, drücke ich alternativ eher im übersichtlichen Cockpit an der richtigen Stelle. Mich begrüßen und verabschieden darf der künstliche Kumpel, das weiß ich aus guter Erziehungsschule zu schätzen Aber, damit ist es dann auch genug.

Da gibt es ganz andere Errungenschaften als die, die der Radler nicht braucht. Alarmanlage, Elektrozaun, GPS-Ortung, Fingerabdruck-Kennung, Videoaufzeichnung der Fahrt, Gesundheitsüberwachung… Ach, du schöne neue Welt nun doch noch. Und, bevor ich die Turbo-Taste am Lenker drücke und mich aus diesem Aufsatz beame: Wer wissen will, wie mein geschätzter neuer Wegbegleiter heißt, kann ja einfach bei mir anfragen.