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Derzeit erfolgen die Vergabeverfahren für die Bauplanungsleistungen in Sachen Schlossturm Neustrelitz. Darüber informierte Bürgermeister Andreas Grund im jüngsten Verwaltungsbericht. Dies betreffe Objektplanung, Tragwerksplanung, Elektroplanung und Sanitär. Darüber hinaus werde gegenwärtig auch die Erarbeitung des Brandschutzkonzeptes vergeben.
Hinsichtlich des Ausstellungskonzeptes fand laut Grund ein Termin des Bürgermeisters mit dem Residenzschlossverein statt. Im Rahmen des Termins wurden die weiteren Schritte zur Erarbeitung des Ausstellungskonzeptes besprochen. Die Umsetzung soll in zwei Schritten erfolgen. Die Stadt wird ein Büro bzw. einen Historiker damit beauftragen, die Neustrelitzer Demokratiegeschichte wissenschaftlich auszuarbeiten. Das Vergabeverfahren ist in Vorbereitung. Inhaltliche Grundlage bildet dabei das im Zusammenhang mit dem eingereichten Fördermittelantrag beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien stehende Konzept der Stadt.
Die wissenschaftliche Arbeit soll in das gestalterische Ausstellungskonzept überführt werden. Hierfür hat der Residenzschlossverein einen Fördermittelantrag bei der Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte eingereicht. Eine Förderzusage wird erwartet.
Es ist unglaublich, dass das tatsächlich durchgezogen wird. Diese Millionen wären beim Bau einer Schwimmhalle oder bei der Umsetzung einer fahrradfreundlichen Verkehrsinfrastruktur wesentlich besser eingesetzt.
Hallo, Herr Rauchmann,
Ganz gewiss gibt es viele Aufgaben und „Baustellen“ in der Stadt Neustrelitz. Sehr schade, dass das „Tauziehen“ um den Bau des „Turmes der Demokratie“ immer wieder hinausgezögert wurde. Nun endlich soll dort auf dem Gelände des Schlossberges Bewegung kommen. Und das ist auch gut so. Viele Gäste der Stadt Neustrelitz wundern sich über diesen trostlosen Platz und ältere Besucher fragen sogar: „Wo ist das Schloss?“
Ihnen dürfte aber mittlerweile nicht entgangen sein, dass in einigen Städten, genannt seien hier Potsdam, Frankfurt/Main, Dresden und andere wieder historische Bauten rekonstruiert werden. Diese sind zu einem Touristenmagnet geworden und damit auch gleichzeitig auch die Beschäftigungszahlen in den verschiedensten Gewerken gestiegen.
Nun stellen Sie sich mal vor, wenn dieser Turm nun auf dem Schlossberg steht, wie viele Synergieeffekte er auslösen würde. Nicht nur, dass er als Touristenmagnet wirken wird, sondern auch die Infrastruktur der Stadt Neustrelitz verbessern würde. In den Bereichen Gastronomie, Handel und Versorgung, Baugewerbe und vielen weiteren würde ein Aufschwung erfolgen müssen. In den vorher genannten Städten ist dies bereits zu spüren.
Warum sollte das in Neustrelitz anders sein. Touristen kommen nicht in eine Stadt, wo es heutige Neubauten massenweise gibt und keine historische Substanz das Stadtbild beherrscht. Das betrifft auch so genannte „Erinnerungsarchitektur“, die niemals nie Aussagekraft und Ästhetik historischer Substanz haben wird.
Steht erst einmal der Turm – dürfte dies auch auch nur ein Schritt nach vorn bedeuten, das Herz der Stadt Neustrelitz wieder schlagen zu lassen.
So könnten im Schloss eine Kulturakademie, eine Tourismusakademie, eine Jugendherberge oder Hotelkapazität ihren Platz finden. Das absolute Highlight wäre die Integration einer Schwimmhalle. Dies brauchten keine Hirngespinste zu sein, sondern könnten Wirklichkeit werden. Doch dazu müsste man erst anfangen – und der Turm wäre dieser Anfang. Lassen Sie sich diese Gedanken mal durch den Kopf gehen – so wie es viele Befürworter des Turmbaues bereits tun.
Oh ja, die genannten Aufschwünge würden Neustrelitz sicher gut tun. Aber Touristen, die für mehr als einen Tag in unsere Stadt kommen, würden sich garantiert über gut erschlossene Naherholungsgebiete freuen, z.B. über ein sinnvolles, gut ausgeschildertes Rad-und Wanderwegenetz, eine attraktive „Badeanstalt“(Stichwort Wasserrutschen!) und für schlechtes Wetter über ein schönes Hallenbad, abends über nette Tanzveranstaltungen, frei zugängliche Sportanlagen, Trimmdichpfad usw. Alles keine Millionenprojekte, aber vielleicht um einiges nachhaltiger als ein Turm, der an einem Tag oder gar nur in einigen Stunden besichtigt und bestaunt werden kann.
Zu diesem Beitrag schreibt Dr. Frank Havemann aus Neustrelitz:
„Der Rhythmus des Gartens verlangt einen Akzent auf dem Schlossberg.“ So drückte der in Neustrelitz ansässige Christian von Maltzan aus, was auch ich empfinde: Es fehlt etwas auf dem Schlossberg. Das kann aber nicht der Schlossturm sein, denn er steht nicht in der Achse des barocken Gartens. Er wäre daher gerade nicht der fehlende Akzent. Ein idealer Akzent wäre natürlicherweise das alte Barockschloss ohne den übermäßig großen Anbau im wilhelminischen Neobarock.
In meinem Vortrag auf der Schlossberg-Konferenz im Kulturquartier am 29. Januar 2024 schlug ich deshalb vor, auf den Entwurf des Neustrelitzer Architekten Christian Peters zurückzukommen, für den er 2005 im Auftrag der Stadt eine Machbarkeitsstudie vorgelegt hatte (Link zum Vortrag: https://zenodo.org/records/10549532). Er sieht vor, in den Abmaßen des Barockschlosses eine dauerhafte Zuschauertribüne für die Schlossgarten-Festspiele zu errichten. Dazu eine an der Werdermann’schen Gerüstvariante orientierte filigrane Erinnerung an den Schlossturm, die auch als Aussichtsplattform dienen könnte. Seine mir sympathische Devise dabei ist: „Hier stand das Schloss und nicht, hier steht das Schloss!“ Man könnte aber mit den Anhängern historisierender Bauweise aushandeln, wie nahe die Fassade des Gebäudes dem historischem Vorbild kommen soll.
Ich bedauere, dass der Residenzschlossverein im letzten Herbst seinen Vereinszweck in der Satzung auf die Errichtung einer vollständigen Replik des Schlossen im Zustand vor seiner Zerstörung festgeschrieben hat. Ich sehe dafür weder Geld noch Nutzung. Das heißt, wir werden für lange Zeit mit dem Turm alleine auskommen müssen, wenn er denn gebaut wird. Ich hoffe immer noch, die Symmetrie des Schlossgartens wird nicht durch dieses Bauwerk zerstört. Deswegen bedaure ich es, dass die Stadtvertretung beim Bau des Leuchtturms der Demokratie das Volk nicht selbst zu Wort kommen lassen will. In der Vorbereitung auf einen Bürgerentscheid hätte alles Für und Wider noch einmal abgewogen werden können.