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Borwinheim, Deutsche Tanzkompanie, Genesis, Mecklenburg-Strelitz, Neustrelitz, Storch, Tanzhaus, Uraufführung

Diesmal war alles anders. Aber, wer so viele Trümpfe ausspielen kann, geht nicht wirklich ein Risiko ein. Am Ende steht ein fulminanter Erfolg, und den hat das Premierenpublikum gestern im Neustrelitzer Borwinheim auch entsprechend quittiert (Strelitzius berichtete kurz). Mit dem uraufgeführten Stück „Genesis – Das erste Kapitel“ hat die Deutsche Tanzkompanie einmal mehr ihre Wandlungsfähigkeit unter Beweis gestellt und im Zusammenwirken mit Jugendlichen aus dem Tanzhaus und dem Kirchenmusiker Lukas Storch die Schöpfungsgeschichte künstlerisch nacherzählt. Choreograph Vinícius da Silva, geboren und aufgewachsen in Brasilien, zunächst Tänzer und dann Ballettmeister bei der Kompanie, hatte diesen Wunsch seit Längerem gehegt und strahlte beim Schlussapplaus vor Freude über die gelungene Arbeit. Die Dramaturgie oblag Lukas Rosenhagen.
Mit Lukas Storch, Kantor der Kirchengemeinde Strelitzer Land, Tätigkeitsschwerpunkt Neustrelitzer Stadtkirche, arbeitet die Deutsche Tanzkompanie nicht zum ersten Mal. Noch gut in Erinnerung ist, wie er mit der Singakademie und den Tänzerinnen und Tänzern im Sommer 2024 Mozarts „Requiem“ in Verbindung mit einer choreografischen Installation auf einem Gerüstturm inmitten des Altarraums zur Aufführung brachte. Live an Orgel und Klavier, war es auch im Borwinheim ein Genuss, seinem virtuosen Spiel zuzuhören. Ich habe nicht versäumt, mich nach der Premiere bei Lukas Storch persönlich zu bedanken.
Luka Magalhães (Schlange), Charles Riddiford (Adam), Roberta Ramos (Eva), Sara Branco (Schaf), Daisuke Sogawa (Kain) und Aidan Grierson (Abel) legten für die Tanzkompanie in gewohnter Professionalität Ehre ein. Vinícius da Silva ist seit 2022 Teil der Truppe, er weiß um die Potenziale der Mitglieder, und diese wiederum vertrauen dem Choreographen als einem aus ihrer Mitte. Ein Zusammenwirken tatsächlich auf Augenhöhe, was sich sichtbar auszahlt.
Borwinheim besticht durch seine Intimität
Nie war man in den vorderen Reihen des Zuschauerbereichs den Tänzerinnen und Tänzern bei einer Aufführung so nah. Die Bühne geht so gut wie nahtlos in die Stuhlreihen über und es ist faszinierend, der Kompanie faktisch auf Tuchfühlung bei ihrem gefühlvollen Kunstschaffen zuzuschauen. Wenn eingangs von Trümpfen geschrieben wurde, so gehört das Borwinheim mit seiner intimen Atmosphäre, den Buntglasfenstern bei gestern strahlendem Sonnenschein und den Orgelpfeifen im Hintergrund des Podiums unbedingt dazu.
Sehr gefallen hat auch die Integration von jugendlichen Tänzerinnen. Deshalb seien auch sie einzeln aufgeführt. Beste Werbung für das Tanzhaus der Kompanie brachten Lenya Algner, Frida Kresin, Noa-Emilia Nickel, Friederike Schmidt, Hedda Schönstein und Charlotte Zielfeld anrührend auf die Bühne.
Ein letztes Wort zum Bühnenbild. Es fällt bei der Deutschen Tanzkompanie selten üppig aus. Auch diesmal ist Minimalismus angesagt, der aber mit Genialität einhergeht. Ein Vorhang aus beweglichen Bändern an naturbelassenem Holz symbolisiert die Trennung zwischen den Welten und bietet den Akteuren zugleich mannigfaltige Möglichkeiten des kreativen Einstiegs, Ausstiegs und Durchblicks.
„Genesis – Das erste Kapitel“ wird in dieser Spielzeit nur noch einmal aufgeführt. Freunde des Tanzes sollten sich das rund einstündige Stück am 14. Juni um 17 Uhr im Borwinheim nicht entgehen lassen. Und auf noch einen Termin sei hingewiesen. Am 17 Juli um 19 Uhr ist auf dem Schlossberg die Sommergala der Deutschen Tanzkompanie zu erleben.





