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Glorious!, Mecklenburgische Seenplatte, Neubrandenburg, Schauspielhaus, Sommerspektakel, TOG

Die Komödie „Glorious!“ von Peter Quilter wurde 2005 in Birmingham uraufgeführt und wird seitdem weltweit gespielt. Dem Erfolg der wahren Geschichte der Florence Foster Jenkins ist nun eine weitere Adresse hinzuzufügen. Zum Sommerspektakel der TOG 2026 im ausverkauften Neubrandenburger Schauspielhaus feierte das Stück in der Inszenierung von Paul Splitter Premiere und verfehlte auch das Publikum in der Vier-Tore-Stadt nicht. Die Zuschauer spendeten minutenlangen Applaus. Hochrufe galten vor allem Karin Hartmann als exzentrische Millionenerbin, die sich für eine große Sängerin hält, bei aller Liebe zur Musik aber nicht einen Ton trifft. Seit rund 30 Jahren ist die Mimin am Neustrelitzer Theater engagiert und gilt inzwischen zu Recht als Ikone des hiesigen Schauspiels.
Wer Karin Hartmann gestern Abend im Schauspielhaus erlebt hat, wird das unterschreiben. Sie spielt die Florence nicht, sie verkörpert sie unbedingt glaubwürdig und zieht dabei alle Register ihres außergewöhnlichen Könnens und ihrer langen Bühnenerfahrung. Den Spagat zwischen der komischen und der tragischen Figur hat die Mimin exzellent hinbekommen, und ihre dissonanten Arien, einfach göttlich! Auch das will gekonnt sein, zumal, wenn man im wahren Leben durchaus singen kann.
Karin Hartmann zur Seite als Gast Jakob Gühring (Musikalische Leitung), der den Pianisten der Diva auf die Bühne bringt und neben seinem schauspielerischen Talent sein Können als Live-Musiker unter Beweis stellt. Auch Gühring legte eine Punktlandung hin, genau so hat man sich den von Florence förmlich überrollten Cosme McMoon vorgestellt. Beim ersten Treffen entsetzt von ihren schrägen Tönen, spätestens in der Carnegie Hall fasziniert von der Urgewalt seiner Arbeitgeberin und ihr treuer Begleiter. Dazu immer wieder ein Gesichtsausdruck, den er sich patentieren lassen sollte. Es ist bereits die zweite Zusammenarbeit Gührings mit der TOG, und hoffentlich nicht die letzte. Eine echte Bereicherung für das Schauspiel der TOG.
Lisa Scheibner ist immer wieder eine Erlebnis. Die Dorothy liegt ihr sichtlich, und als Freundin von Florence steht sie ihr an Exzentrik nicht nach. Unbedingt zur Belustigung der Zuschauer trägt ihr ständiger Begleiter bei, der kleine Hund Ricky. Bei dessen Beerdigung wird der Witz pietätlos auf die Spitze getrieben. Der Geliebte von Florence und gescheiterte Schauspieler St. Clair Bayfield, routiniert dargestellt von Dirk Schmidt, übernimmt die Trauerrede und improvisiert dabei köstlich.
Doppelrolle für junge Mimin
Eine Entdeckung die junge Larissa Emma Voulgarelis, eben noch als griechisches Dienstmädchen Maria auf der Bühne und kurz darauf schon wieder als eifernde amerikanische Lady Mrs. Verindah-Gedge im Zuschauerraum schwer beschäftigt. Seit dieser Spielzeit im Erstengagement bei der TOG, hat sie die beiden unterschiedlichen Frauenrollen hervorragend umgesetzt. Und singen kann sie auch noch! Ich habe nicht gleich ins Programmheft geschaut und erst von Schauspieldirektor David Czesienski in der Pause den Hinweis auf die Doppelrolle erhalten. Perücken und Brille von Larissa Emma Voulgarelis taten ein Übriges…
Apropos: Bühnen- und Kostümbild stammen von Tom Unthan und haben sehr gefallen. Die Dramaturgie besorgte Oliver Lisewski. Mit der Auswahl von „Glorious!“ könnte die TOG einen Volltreffer für ihr Sommerspektakel gelandet haben, übrigens wieder bestens gastronomisch umrahmt. Ich wünsche Ensemble und Stück durchweg sehr gut besuchte Vorstellungen. Das Sommerspektakel im Schauspielhaus Neubrandenburg gibt es bis zum 28. Juni.
Die nächsten Termine:
31. Mai, 18 Uhr, 4., 5., 6. Juni, jeweils 19.30 Uhr, 7. Juni, 18 Uhr.


