Schlagwörter
Alte Kachelofenfabrik, Ausstellung, Es ist Zeit, Film, Finissage, Mecklenburg-Strelitz, Neustrelitz, Schneider
Zur Finissage der Ausstellung „ES IST ZEIT“ mit Papierschnitten zu M. Bulgakows „Meister und Magarita“ sowie Collagen und Zeichnungen von Gerhard Schneider wird am Sonntag dem 22. März, um 14 Uhr, mit FILMVORFÜHRUNG in die Fabrik.Galerie für gegenwärtige Kunst der Alten Kachelofenfabrik Neustrelitz eingeladen.
Michail Bulgakows Roman „Der Meister und Margarita“ zählt bis heute zu den faszinierendsten Werken der Weltliteratur. Mit seinen vielschichtigen Bezügen – nicht zuletzt zu autoritären Entwicklungen – gewinnt er auch in der Gegenwart neue Aktualität. Seine besondere Wirkung entfaltet der Roman durch eine phantastische Erzählweise: Der Teufel erscheint höchstpersönlich in Moskau, begleitet von einem skurrilen Gefolge. Groteske, teils verstörende und zugleich von schwarzem Humor durchzogene Szenen verbinden sich mit einem zweiten Erzählstrang, der bis in die Zeit von Pontius Pilatus zurückreicht. Gerade diese Vielschichtigkeit macht den anhaltenden Reiz des Romans aus – von seiner zunächst zensierten Veröffentlichung 1966 bis heute.
Auch Gerhard Schneider gehört zu den leidenschaftlichen Leserinnen und Lesern dieses Werkes. Seit er den Roman in den 1960er Jahren in einer Studentenbuchhandlung entdeckte, begleitet ihn das Buch durch sein Leben – nicht zuletzt als Resonanzraum für die Reflexion seiner eigenen Biografie in der DDR. „Wenn ein Text ergreift, dann entstehen auch Bilder“, beschreibt Schneider seinen Zugang. Seine künstlerischen Wege, insbesondere zur Zeichnung, entwickelten sich auf verschlungenen Pfaden, unter anderem geprägt durch kreative Zirkel in der DDR, während er beruflich andere Richtungen einschlug.
In seinen Papierschnitten zu „Der Meister und Margarita“ nähert sich Schneider dem Stoff spielerisch und zugleich mit großer konstruktiver Präzision. Durch das Schneiden, Schichten und Kombinieren farbiger Papiere entstehen komplexe Bildräume, die an die Formensprache der russischen Avantgarde erinnern. Mit reduzierten Mitteln entwickelt er eindrucksvolle Szenen: Farbflächen werden zu Räumen, das Weiß des Trägerpapiers zum Boden, Perspektiven verschieben sich. Diese Bildwelten lassen Assoziationen an kubistische und expressionistische Raumkonzepte entstehen.
Zum Abschluss der Ausstellung lädt ein besonderes Begleitprogramm dazu ein, den Roman auch filmisch zu erleben: Um 14 Uhr wird der Film „Der Meister und Margarita“ von Michael Lockshin (RU 2024) mit August Diel als Teufel „Woland“ gezeigt, an die sich ein gemeinsamer Rundgang durch die Galerie anschließt. Dabei bietet sich die Gelegenheit, über die Werke ins Gespräch zu kommen und Eindrücke aus Literatur, Bild und Film miteinander zu verbinden. (Text: Marieken Matschenz)
