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Grün eingerahmt die vom Verein favorisierte Variante 1 Wiederrichtung des Schlossturms. Gelb eingerahmt die alternative Variante 2 Wiedererrichtung des Eckrisalits.

Nach dem Beschluss der Stadtvertretung Neustrelitz, Alternativen zum Wiederaufbau des Schlossturms zu suchen (Strelitzius berichtete), geht jetzt der Residenzschlossverein mit einer Erklärung in die Öffentlichkeit. Sie trägt die Überschrift „Der Schlossberg ist Bestandteil eines Denkmalbereichs und kein Experimentierfeld für zeitgenössische Architektur“. Hier der Wortlaut:

Als Bestandteil des Schloss-Areals gehört der Schlossberg Neustrelitz zu einem der hochwertigsten Denkmalbereiche in unserer Stadt und darüber hinaus im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Denkmalbereiche, so einer der denkmalpflegerischen Grundsätze, müssen Gegenstand besonderer Sorge sein. Auf sie sind die von Einzeldenkmalen bekannten Grundsätze der Erhaltung und Wiederherstellung fehlender Teile sinngemäß anzuwenden. Nur wenn etwas wiederhergestellt werden soll, „von dem man nicht weiß, wie es ausgesehen hat, wird sich das ergänzende Werk von der bestehenden Kopie abheben und den Stempel unserer Zeit tragen“, heißt es dazu in der Charta von Venedig, der Grundlage denkmalpflegerischen Handelns in Europa und darüber hinaus.

Wenn es also darum geht, aufgrund der bestehenden erheblichen Finanzierungslücke Alternativen zum sofortigen Wiederaufbau unseres Schlossturms zu suchen, so scheiden zunächst alle Ideen aus, unsere größte städtebauliche Wunde mit Stilmitteln zeitgenössischer Architektur schließen zu wollen. Dies wäre dem historischen Ort keineswegs angemessen.

Auch der Beginn des langfristig wünschenswerten Wiederaufbaus der gesamten Anlage des Residenzschlosses muss also zwangsläufig ein stadtbildwirksamer Teil des Schlosses sein, der mindestens durch optisch originalgetreu wirkende Fassaden gekennzeichnet ist.

Der Residenzschlossverein geht nicht davon aus, dass die momentan bestehende Finanzierungslücke automatisch schon das Aus für den Schlossturm bedeuten muss. An nutzbar fertiggestellten bedeutsamen Wiederaufbauten der vergangenen Jahre, wie dem Potsdamer oder dem Berliner Schloss bzw. dem Turm der Garnisonkirche Potsdam wird auch heute noch in Etappen weitergebaut, die Garnisonkirche erhält erst Jahre nach Inbetriebnahme ihrer Nutzung die Turmhaube und Fassadenelemente, wie Sandsteinsäulen. Wenn der Fassadenschmuck unseres Schlossturms einen der größten Kostenanteile darstellt, so wäre auch hier ein Bau in Etappen denkbar. Dass so etwas nicht möglich sein soll, wenn die Stadt als Bauherr fungiert, müsste rechtssicher erklärt werden. Nur wenn Bürgern und Institutionen durch einen tatsächlichen Baubeginn gezeigt werden kann, dass wir es mit unseren Absichten ernst meinen, wird es weitere Unterstützung und Spendenbereitschaft geben.

Andererseits verschließt sich der Residenzschlossverein keinesfalls realen Alternativen. Unter Berücksichtigung der bereits genannten Kriterien Wiedergewinnung historischer Fassaden und Stadtbildwirksamkeit käme dafür an Stelle des Turms die Wiedererrichtung des Eckrisalits zwischen garten- und stadtseitiger Schlossfassade in Frage, natürlich als Gebäude. Nur ein funktionstüchtiges Gebäude könnte die inzwischen durch Mithilfe unseres Vereins konzipierte Demokratie-Ausstellung aufnehmen und wäre wohl die einzige Chance, die benötigten Bundesfördermittel umwidmen lassen zu können.

Lediglich Fassaden errichten zu wollen, lehnen wir nicht nur wegen der dann garantiert verlorenen Bundesmittel und der damit verbundenen Vergrößerung der Finanzierungslücke ab. Es würde ein trotz alledem teures Provisorium entstehen, von dem sich niemand schnell wieder trennen und das keinen späteren Weiterbau ermöglichen würde.

Im Übrigen sollte eine Suche nach Alternativen unter Berücksichtigung der denkmalpflegerischen Belange ergebnisoffen geführt werden.