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Fußball, Mecklenburg-Strelitz, Oberliga Nord, Spielbericht, SV Siedenbollentin, TSG Neustrelitz

Lange Gesichter bei den Gastgebern, Jubel bei den Gästen gestern Abend im Neustrelitzer Parkstadionn nach dem 0:2 (0:2) der TSG-Oberligisten gegen den Aufsteiger SV Siedenbollentin (Strelitzius berichtete kurz). Den Ausgang des prestigeträchtigen MV-Derbys, immerhin standen gestern acht ehemalige Residenzstadtkicker im Aufgebot der Siedenbollentiner, hatten sich Coach Thomas Franke und seine Elf ganz anders vorgestellt.
Die Platzherren waren frühzeitig in Rückstand geraten, als nach einer Flanke von Jakub Jan Klimko in der 5. Minute, der sich rechts durchgesetzt hatte, Lukas Möller völlig ungehindert in zentraler Position per Kopf einnetzen konnte. Da war Elias Oliver Höftmann im Kasten der TSG chancenlos. Nur acht Minuten später trifft Tom Kliefoth, sträflich freistehend, von rechts mit einem platzierten Schuss in die lange Ecke. Der Ball, nicht sonderlich scharf getreten, sollte haltbar gewesen sein. Siedenbollentin zwei Mal durchgekommen, zwei Buden, effektiver geht es nicht.
In der 41. Minute beinahe das 0:3, zum Glück wird auf Abseits erkannt. Bis zum Pausenpfiff brennt es noch einmal lichterloh vor dem Neustrelitzer Gehäuse. Die TSG stemmt sich gegen den Rückstand, hat viel mehr vom Spiel, kommt auch zu Möglichkeiten, ohne den letzten Biss erkennen zu lassen.
Das sieht nach dem Seitenwechsel anders aus, die Neustrelitzer nach aufmunternder Kabinenansprache jetzt schwer am Drücker, bringen aber das Runde nicht in das Ecke und werden immer nervöser. Was den Gästen weitere Möglichkeiten beschert. Die größten Chancen auf Seiten der TSG haben Remmy Jason Orlando Kruse, der allein vor Schlussmann Nicolas Jesus Delpinho aus vollem Lauf das Leder in die Wolken semmelt, und Manuel Härtel, immer wieder von seinen Mitspielern gesucht, der bei einer flachen Hereingabe von rechts den Ball kurz vor der Torlinie um Zentimeter verfehlt. Es hat nicht sollen sein!
Coach: Alles hereingehauen
„Meine Mannschaft hat alles getan, alles probiert, hat nie aufgegeben“, stellte sich TSG-Coach Thomas Franke im Gespräch mit Strelitzius vor seine Jungs. „Es nervt mich, dass wir zwei Mal gepatzt und dadurch die Gegentore zugelassen haben. Die Frage ist, wie geht man damit um. Wir haben eine junge Mannschaft, die viel Potenzial hat, aber eben auch noch sehr, sehr viel lernen muss. Und da wünsche ich mir unter anderem mehr Verständnis und Unterstützung von den Rängen.“ Er könne ansonsten seinen Jungs nichts vorwerfen, sie hätten alles hereingehauen und seien spieltechnisch die bessere Mannschaft gewesen, auch wenn die andere Elf die Tore geschossen habe. Eine entsprechende Frage, ob die Saisonvorbereitung vielleicht zu hart gewesen sei, verneinte mein Blogpartner.
„Wir haben 90 Minuten das Spiel gemacht, aber zwei Mal hinten nicht aufgepasst und in den entscheidenden Situationen vorn nicht getroffen“, fasste TSG-Mannschaftskapitän Nils Röth die Partie mir gegenüber zusammen. „Unsere Mannschaft ist noch jünger als im vergangenen Jahr, der muss man ein bisschen Zeit geben. Ein unschöner Auftakt, aber ich habe auch viele schöne Sachen von den Jungs gesehen und glaube, da können wir noch einiges erwarten.“
Vizepräsident: Noch nicht das, was wir wollen
Bastian Langguth, Vizepräsident der TSG Neustrelitz: „Aus ökonomischer Sicht war das heute mit 850 Zuschauern ein voller Erfolg. Das ist das, was das Parkstadion mit seiner Infrastruktur verdient hat. Fußballerisch haben wir noch nicht das auf den Platz gebracht, was wir auf den Platz bringen wollen. Wir machen es genau andersherum, als in der vergangenen Saison. Da haben wir das erste Spiel gewonnen und danach fünf vergeigt…“ Seine Worte in (Fußball)Gottes Gehörgang! Am Rand der abschließenden Pressekonferenz gab es auch andere, wesentlich pessimistischere Töne, was die neue Spielzeit für die TSG Neustrelitz und ihr Saisonziel Platz 1 bis 5 angeht.
Nächster Gegner der TSG-Oberligisten ist am kommenden Freitag, 8. August, auswärts Dynamo Schwerin. Anstoß in der Landeshauptstadt ist um 19.30 Uhr.

