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Hans die Geige, Karussell, Konzert, Kultur-Bühne, Mecklenburgische Kleinseenplatte, Mirow, Unteres Schloss

Gleich drei Lebenszeichen hat es gestern Abend in Mirow gegeben, und alle gleichermaßen eindrucksvoll. „‚Karussell‘ ist am Leben“, hatte Joe Raschke im Namen seiner Bandkollegen beim Ausklang des Konzerts von der Kultur-Bühne gerufen. Dass dem so ist, hätte das Publikum bereits nach den ersten Klängen unterschrieben. Die liebevoll als „kleines Woodstock“ bezeichnete Gemeinde hunderter Fans dürfte voll auf ihre Kosten gekommen sein (Strelitzius berichtete kurz).
Drei Musikergenerationen stehen heute für die noch immer unglaublich populäre, unvergessene Ostrock-Formation um die Urgesteine Wolf-Rüdiger Raschke sowie Reinhard Huth und garantieren in höchster künstlerischer Qualität für deren Fortbestand. Die von den Oldies wie „Wer die Rose ehrt“, „Ehrlich will ich bleiben“, Autostop“, „Mc Donald“ oder der Hymne „Als ich fortging“ reichte bis zu aktuellen Hits vom Album „Unter den Sternen“ (2024). Einem Kollektivwerk übrigens, womit dann auch Gitarrist Moritz Pachale, 2021 mit gerade einmal 19 Jahren zu „Karussell“ gestoßen, Bassist und Sänger Jan Kirsten sowie Schlagzeuger Benno Jähnert zu nennen sind. Einer der Höhepunkte im Programm sicherlich „Cäsars Blues“, phantastisch neu bearbeitet, mit dem Protagonisten Joe Raschke als Hommage an den 2008 verstorbenen Mitgründer Peter „Cäsar“ Gläser, der den Song berühmt machte. Es wird „Cäsar“ da oben gefallen haben, was da aufgeführt wurde.
Wer „Karussell“ ein Loblied singt, meint auch ihre weit über deutschem Durchschnitt liegenden Texte. Da ist sich die Band treu geblieben, und was einst galt, ist noch immer oder schon wieder aktuell. „Frei sei der Mensch und sein Geist“, fordern die Leipziger Musiker von der Bühne, und ja, da oben stehen zweifellos Freigeister.
„Hans die Geige“ fliegen die Herzen zu
Zurück zu den Lebenszeichen: Der nicht minder legendäre „Hans die Geige“ im Vorprogramm. Was für ein Virtuose mit seinem Instrument, aber auch mit der Stimme! Eine lebende Legende mehr an diesem ganz wunderbaren Abend, der unter die Haut ging. Selbst Joe Cocker kam nicht umhin, ihm ein „gar nicht so schlecht“ zu bescheinigen. Hans Wintoch hat viele solche Geschichten zu erzählen, und die Herzen fliegen ihm nur so zwischen „Guten Morgen Deutschland“ und seinen Bearbeitungen von Smetanas „Die Moldau“ und Queens „Bohemian Rhapsody“. „Karussell“ war noch gar nicht auf der Bühne, da hatte sich der Abend schon gelohnt.
DJ Rainer Smentek, viel beschäftigter Gastronom auf der benachbarten Schlossinsel, hat die Leute gekonnt auf das Konzert eingestimmt und nach dem letzten Klang der Kultband die Tanzfreudigen versiert aus der Konserve versorgt. Ein Kompliment auch an das Event- und Cateringbüro PHÖNIX sowie „Quint und Quäntchen“, die neue Waffelbäckerei aus Wesenberg.
Areal am Unteren Schloss ein Juwel
Bei Lebenszeichen Nummer 3 muss ich weiter ausholen. Dieser Tage habe ich einen Kommentar einer „alteingesessenen Mirowerin“ veröffentlicht, die die Kultur-Bühne am Unteren Schloss abwertend als einen Platz bezeichnete, den jedes Dorf habe. Mit der Frau hätte ich mich gern gestern Abend hinter dem Unteren Schloss getroffen. Ich komme viel herum und kann an dieser Stelle unter dem noch ganz frischen Eindruck nur sagen, dass Mirow mit dem Areal am Unteren Schloss ein Juwel hat, um das man die Stadt beneiden kann.
Beim bevorstehenden Zwei-Schlösser-Fest vom 1. bis zum 3. August wird sich das wieder zeigen. Persönlich freue ich mich darauf, mit der Kellerbühne FreiGespielt kommenden Woche in die neue Alte Feuerwehr am Unteren Schloss zurückkehren zu können, um die Proben für das neue Stück „Es fährt kein Zug nach irgendwo“ zu intensivieren. Premiere soll noch in diesem Jahr sein. Mein Freund Peter Schmitt ist mir gestern Abend über den Weg gelaufen. „Mirow lebt“, strahlte der Buchhändler und Kulturaktivist. Dem ist nichts hinzuzufügen.




