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Die Holde und meine Wenigkeit haben sich einer Therapie unterzogen. Und sofort Erfolg gehabt. Trotzdem, oder gerade deshalb, werden wir uns erneut behandeln lassen. In Wittstock, von der „Tortenschwester“. Meine Freundin Martina hatte mich per Gutschein zum Wiegenfest an die Dosse gelenkt und sicheres Gespür bewiesen für das, was ich zu schätzen weiß. Immerhin war die Schauspielkollegin in fast schon 25 Jahren gemeinsamen Theaters mehrfach mit mir verheiratet, wenn auch nur auf der Bühne.
Café und Laden „Tortenschwester“ hatten mich schon an der Angel, bevor ich überhaupt losgefahren war. Solcherart intelligente Werbung ist selten geworden, der sich Chefin Claudia Köppen bedient, 30 Jahre lang tatsächlich Krankenschwester. Da ist von „Medizin für Leib und Seele“ die Rede, vom täglich betretenen „hauseigenen Backlabor“, es gebe keinen besseren Ort zur Therapie „für alle mit akuter Unterzuckerung, erhöhtem Stresslevel und Genussdefizit“. Davon abgesehen, dass der Gast hier Patient ist. Zu dem, was aufgetischt wird, nur so viel, dass auf Backmischungen und künstliche Aromen verzichtet worden ist, der Zuckeranteil reduziert wurde, vorwiegend saisonales Obst genutzt wird und regionale Anbieter liefern.
Wer das ehemaligen Feuerwehrdepot direkt gegenüber dem Wittstocker Dosseteich betritt, ist sofort gefangen von der überaus gelungenen Raumaufteilung und -gestaltung. Wohlfühlen pur, wir hatten auch noch das Glück eines Fensterplatzes mit Wasserblick. Die Terrasse hin zum eigentlich nie ausgereizten kostenlosen Parkplatz der Kommune war noch nicht eröffnet, aber auch da macht die „Tortenschwester“ was her. Und was wir an gut Sortiertem fest und flüssig verschnabuliert haben, hat von Torte über Käffchen bis zum Sektchen die Laune erheblich nach oben getrieben. Da ist mit „individuell, kreativ, delikat, stilvoll“ nicht hochgestapelt worden.


