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Die ortsansässigen Buchhändler Grit und Peter Schmitt haben Anfang des Jahres beschlossen, nachdem andere Räumlichkeiten nicht zur Verfügung standen, ihr diesjähriges Programm im Mirower „Unteren Schloss“ durchzuführen. Eine gewagte Entscheidung und Unternehmung, denn bis auf die ehemalige Aula waren alle Räumlichkeiten in einem erbarmungswürdigen Zustand, die Veranstaltungen nicht zuließen.

Vier Monate später kann man davon nicht mehr reden. Stück für Stück haben die Schmitts Hand angelegt und begonnen, sechs Räume im ersten Stock „kosmetisch“ zu behandeln. „Da ist noch viel Arbeit zu verrichten bis zur kalten Jahreszeit, aber ein Anfang ist gemacht. Wir sehen uns als Brücke bis zu dem Zeitpunkt, an welchem derzeitige oder auch zukünftige Pläne zum Unteren Schloss ihre Umsetzung erfahren.

Peter Schmitt hat nach eigener Aussage gegenüber Strelitzius inzwischen eine innere Bindung zu dem denkmalgeschützten Gebäude entwickelt, und es stößt ihm sauer auf, wie das Haus seit Schließung des Gymnasiums 2006 nach und nach verkommen ist: „So geht man mit städtischem Gut nicht um.“ Peter Schmitt weiß nach vier Monaten „Hausbesetzung“, wovon er spricht. Und mit der Meinung steht er sicherlich nicht allein da. Mit Ausstellungen, Lesungen, kleinen Konzerten und Kino, die jetzt von den Schmitts wieder angeboten werden und bis in den November andauern sollen, soll zumindest dem weiteren Leerstand erst einmal Einhalt geboten werden.

Mit der Eröffnung der Ausstellung „Mirower Sommerfrische“ am vergangenen Donnerstag – ein gemeinschaftliches Werk der Mirower Anne Görtz, Barbara Lange, Bettina Strauß und Kevin Lierow-Kittendorf, denen Peter Willig eine kleine Anzahl seiner großen Postkartensammlung für die Ausstellung zur Verfügung stellte – läuteten die Buchhändler im Unteren Schloss den KulturSommer ihrer Kultur- und Literaturtage 2024 ein. Neben dieser Ausstellung sind in drei weiteren Räumen Bilder von Bodo Gottschalk (Öl auf Leinwand), Gerhard Schneider (Papierschnitte und Zeichnungen) sowie Edith Vetter (Photographien) zu sehen. Eine Auswahl von Büchern verschiedener Literaturverlage ergänzt das Angebot in den einzelnen Räumen. Die Ausstellungen bzw. das Untere Schloss sind dienstags bis freitags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Autoren und Musiker wechseln einander ab

„Saxophon, Orgel und Swing“ mit Volkhard Brock und Reinhard Gust folgen am 6. August. Am 11. August erzählt die Schauspielerin, Regisseurin und Malerin Tina Engel die Geschichte “Bartleby der Schreiber“. Radio NDR MV Kultur geht am 15. August im Unteren Schloss auf Sendung mit dem Schriftsteller Peter Wawerzinek – moderiert von Anke Jahns. Die Sendung wird dann im Radio am 29. September aus Anlass des 70. Geburtstages des Autors ausgestrahlt.

Die Journalistin und Hochschulprofessorin Sabine Böhne-Di Leo liest am 16. August aus Ihrem Buch „Die Erfindung der Bundesrepublik – Wie unser Grundgesetz entstand“, und ausnahmsweise nicht im Unteren Schloss, sondern in Peetsch bei Tumas findet am 17. August zum fünften Mal die Landpartie statt – diesmal mit der Compagnia Di Leo – Mario und Stella.

Und natürlich gibt es auch wieder Kino – jeden Donnerstag ab 8. August. Im Herbst ist am 28. September Torsten Harder mit einem Konzert zu Gast, Steffen Kopetzky begrüßen die Schmitts am 26. und 27. Oktober und „The Best of Volkhard Brock“ ist am 2. November zu hören. Weitere Veranstaltungen sind noch in Planung und Abstimmung und werden zeitig bekannt gegeben, wie auch Strelitzus die einzelnen Veranstaltungen im Blog nochmals ankündigen wird.

Kultur- und Literaturtage seit 2019 an verschiedenen Orten

Die Buchhändler Grit und Peter Schmitt veranstalten seit 2019 die „Mirower Kultur- und Literaturtage“. Ihr Anliegen war von Beginn an, diese an ganz bestimmten, teilweise auch außergewöhnlichen Orten in Mirow und Umgebung durchzuführen, und nicht in ihrem Buchladen. 2019 – 100 Jahre zuvor gab sich Mecklenburg-Strelitz als erstes Land im Deutschen Reich eine demokratische Verfassung – war dieses Jubiläum das beherrschende Thema, und es gab drei Lesungen im jeweils vollen Festsaal des Schlosses. 2020 fanden die Veranstaltungen trotz Corona mit österreichischen Verlagen und deren Autor*innen aus Italien, Österreich, Tschechien, der Schweiz und Deutschland auf dem Gelände hinter der Alten Feuerwache „open air“ sowie auf der erstmals aufgebauten Kulturbühne statt.

2021 waren zwei Veranstaltungen für die beiden „Kulturarbeiter“ absolute Highlights. Einmal die Lesung im Festsaal des Schlosses mit Tom Hillenbrand, bei der es gelang, das ZDF-Team von „Aspekte“ zu überzeugen, nicht in Berlin, sondern in Mirow zu drehen. Übertroffen wurde dieser Termin noch von der Veranstaltung mit Wolfgang Kohlhaase, einem der wohl bedeutendsten Drehbuchautoren der Nachkriegszeit, der sowohl in der DDR als auch in der wieder vereinigten Bundesrepublik große Erfolge feierte.

Die zweite Woche, die unter dem Thema „Frauen-Power“ stand, konnte wegen Regen und Sturm nicht „open air“ stattfinden, und so zog man kurzerhand schon damals in den ersten Stock des Unteren Schlosses. Grausig der Zustand der Räumlichkeiten, allerdings doch mit einem gewissen morbiden Charme, so die Schmitts damals. Venedig lasse grüßen.

Ungewöhnlich sicherlich auch alle Veranstaltungen – Konzert, Revue, Lesungen und Kino – im Jahr 2022 in der damals noch sanierungsbedürftigen „Alten Feuerwache“. Im vergangenen Jahr nahmen die Buchhändler dann mit fast allen Veranstaltungen die Remise auf der Schlossinsel in Beschlag.

Weiteres Musical am Lessing-Gymnasium in Arbeit

Und nach 2024 im Unteren Schloss? Da sind sich die Schmitts noch nicht ganz sicher. Denn die Sache mit dem Schloss hat bisher viel Kraft gekostet und fordert sie auch weiterhin. Aber was es auf jeden Fall nächstes Jahr nach dem tollen Erfolg der ersten Musical-Aufführung des Neubrandenburger Lessing-Gymnasiums mit „Romeo und Julia“ in der Aula des Unteren Schlosses (Strelitzius berichtete) geben wird, ist eine neue Aufführung. Diesmal wird Frank Wedekinds „Frühlings Erwachen“ Vorlage für ein Musical sein, das die Schüler gerade einstudieren und worauf sich bestimmt nicht nur die Schmitts freuen. Na dann, man sieht sich im Unteren Schloss in Mirow.

Grit und Peter Schmitt
Gedränge im Unteren Schloss bei der Eröffnung der Ausstellung „Mirower Sommerfrische“ am vergangenen Donnerstag. Rund 70 Besucher waren gekommen.
Im „Grünen Salon“ können zukünftig Filme, Lesungen und auch Kammerkonzerte stattfinden, soweit sich die Besucherzahl (30 Personen) in Grenzen hält.
Ein weiterer eben fertig gestellter Raum, der auch multifunktional genutzt werden kann.
Wiederbelebung, das ist das A und O im und rund um das Untere Schloss in Mirow.