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Ausbau, Mecklenburg-Vorpommern, Mirow, Stopp, Treffen, Windenergieanlagen

Am vergangenen Sonnabend, den 31. Januar, trafen sich im BBZ „Alte Feuerwehr“ in Mirow Vertreter von Bürgerinitiativen und Kommunen sowie weitere Bürger aus Mecklenburg-Vorpommern, die einen Stopp des Baus von Windenergieanlagen in MV fordern. Zu diesem Treffen hatte die Mirower Bürgerinitiative eingeladen. Deren Vorsitzende Dr. Uta Arndt moderierte die mehr vierstündige Veranstaltung.
Anwesend waren Vertreter und Mitglieder von Bürgerinitiativen aus Alt Gaarz, Bresegard bei Picher als Vertreterin von etwa 30 Bürgermeistern in Westmecklenburg, des BUND Neubrandenburg, aus Diemitz, der Gemeinde Fünfseen, der BI Freier Horizont, aus Friedland, Galenbeck, Groß Roge, Klein Vielen, der BI Lebenswerte Seenplatte, aus Lüssow, Linken, Mirow, Neubrandenburg, aus dem Naturschutzgebiet Ostpeene, dem Penzliner Land, aus Rostock, von Rügen, aus Schwarz, dem Stargarder Land, Tessin, Teterow, vom VLA-MV, aus Walow und Waren.
Enttäuscht von der Politik
In der Vorstellungsrunde brachten die mehr als 50 Teilnehmer große Enttäuschung und ihren Unmut über die Fortführung der Energiepolitik der Ampelregierung zum Ausdruck. Obwohl im Koalitionsvertrag der Bundesregierung eine Prüfung des Kurses ausdrücklich festgeschrieben wurde, gehe der hochsubventionierte Bau von Windenergieanlagen weiter. Viele Menschen fühlten sich um ihr demokratisches Recht, ihre Lebensqualität, ihre Heimat und ihr Eigentum betrogen. Alle Teilnehmer in Mirow waren sich einig, dass hier Milliarden in eine Übergangstechnologie gepumpt werden, die weder grundlastfähig, noch wirtschaftlich, noch umweltverträglich ist und zudem gesundheitsschädlich.
Bei „Umweltberichten“, die wesentliche Kriterien außer Acht gelassen haben (Quell- und Versumpfungsmoore, Trinkwassereinzugsgebiete, touristische Schwerpunktgebiete, Nist-, Brut- und Jagdgebiete streng geschützter Vogelarten, Abstandsregeln, Landschaftsbilder usw.) stelle sich die Frage nach dem Wert der Menschen, der Natur, der Biodiversität. Übereinstimmend wurde die fehlende Wertschätzung dieser Schutzgüter festgestellt.
Vorranggebiete machen fassungslos
Große Teile der Anwesenden zeigten sich enttäuscht von Politikern, die vor Kommunal- und Bundestagswahlen versprochen hatten, sich gegen den massiven Ausbau der Windindustrieanlagen einzusetzen, wo Bürger sie nicht wollen. Jetzt stünden viele fassungslos vor den Planungen der Vorranggebiete, die die Gemeinden bedrängten. Hinzu kämen noch die Flächen, die dem Anbau von Lebens- und Futtermitteln durch den Ausbau der Solarfelder verloren gehen.
Die Anwesenden waren sich einig, dass alle Versuche, durch Argumente Veränderungen zu erreichen, allein durch Vernetzung gelingen können. Ein erster Schritt war eine Bundestagspetition, die gerade in Berlin zur Beratung vorliegt. Jetzt folgt eine Bündelung alle Initiativen unter dem Dach des „Freien Horizonts“. Ein Folgetreffen ist für März/April geplant. Gespräche mit Politikern sind angemeldet.
Ein Statement wurde mit der anhängenden „Mirower Erklärung“ unterzeichnet. Hierin sind die Forderungen an Landes- und Bundespolitik festgeschrieben.
Diese Erklärung strotzt nur vor Unwahrheiten und Verdrehungen.
MV ist bei Windkraft nur Mittelmaß, es gibt keinen ungezügelten Ausbau. 2025 wurden mehr Windräder ab- als aufgebaut. Die Raumpläne sind außerdem gerade das Instrument, mit dem die Windkraft gesteuert wird.
Windkraft ist nicht hochsubventioniert sondern nimmt nur einen kleinen Teil der Auszahlungen aus dem EEG-Konto ein. Deutlich teurer sind Bioenergie und PV – bei PV vor allem wegen der hohen Förderung in den Anfangsjahren. Wind hingegen erzielte in den letzten Ausschreibungen nur 6 Cent pro Kilowattstunde, während der durchschnittliche Strompreis bei 10 Cent liegt – übrigens wegen der teuren fossilen Kraftwerke.
Es gibt auch keinen Verlust der Landschaft, Windkraft kann zurückgebaut werden – die Spuren von Kohletagebauen oder den Kriegen der Petrostaaten wie Russland in der Ukraine reißen ganz andere Löcher in die Landschaft.
Wenn Sie aus der Windbranche kommen, müssen Sie so formulieren, da bleibt Ihnen nicht viel an Wahl. Wenn Sie ideologisch oder idealistisch unterwegs sind, dann können Sie es leider nur aus einer Perspektive sehen.
Grundsätzlich jede Energieerzeugung war und ist, ab einer bestimmten Historie in irgendeiner Weise subventioniert, Und wenn am Ende ein Staat die Überreste des Raubbaus wieder beseitigen muss muss auch das mit ein eine Gesamtbilanz gerechnet werden. Der Staat ist offiziell auch immer mit an Bord und beutet einen großen Teil mit aus, das wollen wir dabei nicht unterschlagen. Daraus bekommen die Investoren auch wieder ihren Anteil, über Steuergeschenke z.B.
Bei den „modernen“ sprich erneuerbaren Energien gibt es aktuell und intensiv geplant, grundsätzliche und gravierende Unterschiede zu den Anfangsjahren. Damals waren die Anlagen klein und relativ gering konzentriert. Ich sage mal vorsichtig, sie passten noch so in ein Landschaftsbild. Heute nennt man es „den Flächenraubbau vermeiden“ und plant statt dessen große Flächen am Stück für Industrieanlagen mit zwei- bis dreifacher Höhe beim Wind. Bei Bio ist ebenfalls eine Gigant-Planung im Gange. Bei PV lässt man leider immer noch riesige Freiflächenanlagen zu, während man den privaten PV-Betreiber medial zum Schädling stempelt. Es handelt sich um Industrieanlagen.
Es geht ausschließlich um den Vorrang großer Investoren, die sich an allem bedienen dürfen, was sie begehren! Und da ist es offensichtlich gleichgültig, wenn man das frühere Antlitz der Braun- und Steinkohle nun z.B. in die Luft baut oder auch am Boden „viel Gutes tut“. Wenn sich aus dieser Fehlentwicklung zunehmend Unmut und Widerstand aufbaut, dann handelt es sich um „actio gleich reactio“, und wer dann überrascht ist, der ist es aus einem bestimmten Grund.
Nichts gegen große Investoren und deren Möglichkeiten, nicht falsch interpretieren, aber dort, wo so was passt, wo echte Flächen sind, wo Abstände zur Bebauung weiträumig vorhanden sind, wo keine Wälder gerodet werden müssen, usw. Das Blöde ist, so was gibt es in Deutschland nicht (mehr), also sollten wir uns was technisch anderes einfallen lassen. Ich bin Maschinenbauingenieur – wir werden das auch erreichen. Aber aktuell dominiert leider noch der fossile Krake, der auch gleichzeitig der Treiber bei den Erneuerbaren ist.
Wenn man die Förderung jetzt entfallen lassen würde, würde keine einzige Anlage mehr beantragt werden. Zu hoch das Risiko, zu gering die Erlöse, zu unsicher die Netze, zu hoch die Rückbaukosten. In 30 Jahren wird man auf uns zurück blicken, sich an die Stirn schlagen und über uns die Köpfe schütteln – gut, sie wussten es nicht besser. Dann werden sich nachfolgende Generationen aufmachen und die Entsorgung übernehmen. Nur zum flachen Vergleich, einen Tagebau kann man mit Wasser fluten, die Betonfundamente, die Erschließungswege müssen rückgebaut werden und dann sind da, diesmal über ganz Deutschland verteilt, riesige Löcher und die muss man noch verfüllen. Meine Opas haben nichts vom Krieg erzählt, könnte doch gut sein, dass sich die Befürworter von heute ihren späteren Enkeln und Urenkeln auch nicht erklären möchten. Wie immer, waren dann alle nicht dabei…
Es bleibt zu hoffen, dass auf der bundesdeutschen Entscheiderebene (und damit meine ich nicht unsere Bundesregierung, die entscheidet das ja nicht) ein gewisses Maß an Vernunft aufbringt, beruhend auf technischen Sachverstand und Berücksichtigung des Volksfriedens, eine Balance hergestellt wird.
Am Ende frage ich Sie noch direkt.
Was ist bisher Ihr persönlicher Beitrag zur Energiewende?
Sind sie selbst Erzeuger und Speicherer von elektrischer Energie?
Wie weit weg sind Sie selbst von der Nutzung fossiler Brennstoffe
für Heizung und Verkehr?
Es ist alles nicht so einfach.
Michael Jänsch
Sollten Sie im Dunstkreis zu tun haben, hätte ich volles Verständnis für Ihren Kommentar. Es wär ja schwer sich eingestehen zu müssen, dass man vielleicht auf der falschen Seite steht, oder nur des eigenen Broterwerbs wegen, sich „prostituieren“ muss. Ich meine das nicht böse, ich weiß wovon ich rede, ich habe auch mal so und es hat sehr lange gedauert, bis ich verstanden habe und ausgestiegen bin.
Die Raumpläne sind genau das richtige Instrument, damit man losgelöst von den bisherigen Gesetzen nun geballt Industrieanlagen, viel höher und noch dichter und noch gewaltiger in Ausmaßen und Auswirkungen und nur für Großinvestoren schaffen kann.
Die Anlagen, die abgebaut werden (wenn sie es denn werden) sind Spielzeuge gegenüber den neuen Giganten. Hier ist der Vergleich Apfel und Birne. Dazu sollen zu den bereits bestehenden 30.000 Anlagen eine anvisierte 60.000 folgen. Und die richtig fetten Anlagen stehen ja noch gar nicht. Frage: Wer und was soll da wie und noch leben? Dass da Widerstand kommt, kann doch nicht verwundern.
Vergleichen darf man auch nicht nur Zahlen von PV mit Bio und Wind und dann noch zusammen in einen Topf werfen mit den älteren Anlagen. Die Verhältnisse fehlen so. Die richtig ertragreichen PV und Wind gibt es noch nicht so lange, und im Verhältnis dazu sind die Vergütungen bei PV viel stärker angepasst worden, weil es stark in Richtung Eigenverbrauch entwickelt wurde. Außerdem ist Wind, wie Biogas nicht im privaten Bereich angesiedelt. Viel schlimmer und dramatischer scheinen sich die Netzturbulenzen zu entwickeln und daraus resultierende Kosten.
Das MVer „Mittelmaß“ ist nur eins, wenn man es mit dem grotesken Ausbau im Nordwesten vergleicht. Aber machen wir uns auf und machen auch dieses Bundesland wieder kaputt, zerstören wir wieder die Flächen wo man einst mühselig den Landschafts- und Naturschutz aus der DDR-Tragödie geboren hat.
Wir alle brauchen irgendeine Energie, völlig unstrittig. Alle Energien sind subventioniert, direkt oder über staatliche Umwege, und immer wird der Bürger überdimensional an Kosten beteiligt. Und wenn er sich über PV selbst versorgen möchte, wird er neuzeitlich zum Parasiten erklärt, der angeblich die Netze instabil macht. Soweit kommt es noch, dass sich Privatmensch wie Kapitalist verhält und selbigem das Geschäft verhagelt.
Was aktuell geplant ist, ist ein neuer Raubbau an der Natur und am Mensch. Die Braunkohle will keiner zurück, die wussten und konnten es damals nicht besser. Aber so einen Tagebau kann man zumindest noch mit Wasser volllaufen lassen. Bei den neuen Tagebauen in den Lüften muss man erst alle Fundamente und Straßen aus der Erde raus holen und dann wieder mit etwas verfüllen und die Entsorgung hat man dann immer noch am Hals, die Kohle konnte man verbrennen.
In 30-40 Jahren werden sie wohl auch urteilen, die wussten es nicht besser, ABER sie hätten es gekonnt. Die Gier und Habgier standen ihnen im Weg!
Michael Jänsch