Schlagwörter
Braumanufaktur, Businessplan, Lokschuppen, Mecklenburg-Strelitz, Neustrelitz, Südbahn, Unternehmerfamilie

Auch wenn Neustrelitz wieder zur Perle geworden ist, würde die eine oder andere Errungenschaft der Residenzstadt noch gut zu Gesicht stehen. Zum Beispiel ein Bier von hier. Tradition ist durchaus vorhanden. Erinnert sei an die Brauerei Janssen, die zwischen 1857 und den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts an der Parkstraße firmierte (Strelitzius berichtete).
Wenn es nach Reinhard Zühlke, Lebensgefährtin Christine Gottschalk und Sohn Christoph Zühlke geht, muss einheimischer Gerstensaft keine ferne Zukunftsmusik sein. Die Neustrelitzer Hoch- und Tiefbauunternehmer haben im Rahmen eines Entwicklungskonzeptes einen Business-Plan für eine Brauerei an der Südbahn vorgelegt.
Bereits 2016 hat Christine Gottschalk bei einer Versteigerung in Berlin das 10.300 Quadratmeter große Lokschuppenareal mit Gleisanschluss an der Thurower Landstraße erworben. Rund 300.000 Euro sind inzwischen in die Immobilie geflossen. Zugleich wurden aber auch finanzielle Grenzen aufgezeigt. „Wir benötigen für die Nutzbarmachung der Gebäude und die Umsetzung des Brauereikonzeptes rund sechs Millionen Euro“, so Reinhard Zühlke im Gespräch mit mir. Immerhin konnte ein Werkstattgebäude zu einem Drittel erschlossen werden. Hier ist bereits eine Kleinfirma zur Untermiete eingezogen. Zühlke Senior hofft, in Kürze auch den eigenen Unternehmenssitz hierher verlegen zu können.
Wichtige Vorarbeit hat Christoph Zühlke geleistet. Er hat, angeregt durch seine Eltern, an der Hochschule Magdeburg-Stendal im Studiengang Bauingenieurwesen 2017 seine Bachelorarbeit „Sanierungsplanung eines Ringlokschuppens mit statischer Berechnung“ vorgelegt. In Familie ist man sich einig, dass mit der Sanierung und Nutzbarmachung der Gebäude ein wichtiges Stück Neustrelitzer Bahngeschichte bewahrt werden und die Stadt zugleich bereichert werden kann.
Kontakte hergestellt
Inzwischen ist Kontakt zur Oberen Denkmalschutzbehörde und zur IHK hergestellt worden, haben erste Besichtigungen stattgefunden, um die Möglichkeiten von Fördermitteln auszuloten. „Es gilt Programme zu finden, in die unser Vorhaben hineinpasst“, erläutert Reinhard Zühlke. Eine Zusage über 700.000 Euro für eine energetische Sanierung gebe es bereits, aber das sei der zweite Schritt vor dem ersten. Enorm nach vorn gebracht würde das ganze Projekt natürlich, wenn die Südbahn wieder zwischen Neustrelitz und Feldberg verkehren würde. Die könnte zum Beispiel im Lokschuppen an der Thurower Landstraße parken. Die Eisenbahn Logistik und Service GmbH (ELS) als Eigentümer des Gleises nach Feldberg ist über die Pläne der Nachbarn im Bilde. Die Strecke zu revitalisieren, ist inzwischen aber auch zu einer Mammutaufgabe herangewachsen.
Neben der Finanzierung ihres Projektes bemüht sich die Unternehmerfamilie über die Stadtwerke Neustrelitz um einen Trinkwasser-, einen Fernwärme- und einen Internetanschluss. Wobei Trinkwasser eigentlich anliegt. Allerdings weigern sich die Verantwortlichen bei der Deutschen Bahn gleich nebenan, den entsprechenden Hahn aufzudrehen. Das sei schließlich nicht ihr Geschäft…
5000 Hektoliter jährlich bei geringem Personalaufwand
Zurück zur geplanten Braumanufaktur: Sie soll im historischen Ring-Lokschuppen von 1906 entstehen. „Dieses beeindruckende Gebäude mit seinem industriellen Charme und seiner reichen Geschichte bietet die perfekte Kulisse für unser Vorhaben. Auf einer Teilfläche des Gebäudekomplexes wird innerhalb von 680 Quadratmetern eine Brauerei errichtet, die nicht nur Bier produziert, sondern auch ein Erlebnisraum für Besucher wird. Nach Rücksprache mit diversen Brauern und Anbietern von Brauereitechnik haben
wir uns dazu entschieden, die Brauerei mit zwei 25 hl Braukesseln und acht 50 hl Lagertanks auszustatten. Diese Konstellation ermöglicht es uns, bei geringen Personalaufwand mittelfristig eine jährliche Produktionskapazität von 5000 Hektolitern zu erreichen.
Dabei legen wir größten Wert auf handwerkliche Qualität, regionale Zutaten und eine transparente Produktion, die für unsere Gäste erlebbar ist. Unser Ausschank ist weit mehr als nur ein Verkaufsraum – er wird das Herzstück unserer Brauerei. Hier können unsere Gäste nicht nur frisch gezapftes Bier genießen, sondern auch die Atmosphäre unserer Brauerei hautnah erleben. Auch können Außenflächen ohne großen Aufwand zu einem Biergarten umgestaltet werden“, heißt es im Business-Plan.
Ein Lebenswerk in Angriff genommen
„Für mich ist Bier eine Leidenschaft, die ich mit meiner Heimat, der Mecklenburgischen Seenplatte, teilen möchte“, so Reinhard Zühlke. Natürlich hat er nicht versäumt, mich über das Gelände an der Südbahn zu führen. Da braucht es noch jede Menge Phantasie. Ich ziehe an dieser Stelle den Hut vor so viel Unternehmergeist, auch wenn ich die Chancen mangels eigener Expertise nicht einschätzen kann. Ansteckend ist das Projekt schon. Hier ist unerschrocken ein Lebenswerk in Angriff genommen worden. Meine besten Wünsche an die Familie, und vielleicht ist an dieser Stelle schon bald von weiteren Fortschritten zu berichten. Wir bleiben in Kontakt.




