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Wo anfangen zu schwärmen, und wo aufhören!?! Die Deutsche Tanzkompanie hat ihrem Publikum am Freitagabend im Landestheater der Residenzstadt ein riesiges Geschenk gemacht. Sie hat das „Momentum“ ihrer Erlösung vom drohenden Untergang des Ensembles (Strelitzius berichtete) mit einem gleichnamigen Reigen von Tanzstücken quittiert. Das Besondere, das Geniale: Hier haben Tänzerinnen und Tänzer der Kompanie für ihre Kolleginnen und Kollegen choreografiert. Und das auf erstaunlichem Niveau. Den Mitstreitern geschenkt, was die dann von der Bühne herunter weiterschenkten.

Da war so viel Neues, nie Gesehenes, grenzenlose Inspiration! Chapeau an die „jungen Wilden“ Sara Branco, Noé Plasencia, Linn Rümpler, Vinicius da Silva und Daisuke Sogawa (dreifach!) für ihre vielseitigen Kompositionen, mit denen sie die Truppe auf neuen Pfaden zu neuen Höhen geführt haben. Und auch noch an Bühnenbild und Kostümen „mitschraubten“. Ich bin nicht in der Lage, eines der sieben Stücke oder bei aller Vorliebe gar seine Akteure/Akteurinnen hervorzuheben. Die Qualität war zu hoch. Und die Freude der Tänzerinnen und Tänzer an der Aufführung offenkundig. Sieben Kapitel, eine Einheit, so ist es gerecht.

Jubel brandet schon eingangs auf

Das waren 75 Minuten, die man so schnell nicht vergessen wird und vor allem nicht wieder geboten bekommt. Eben ein Momentum. Die Zuschauer zu stehenden Ovationen hingerissen. Der erste Jubel brandete schon auf, als Tanzkompaniechef Marco Zabel eingangs vor den Vorhang trat und verkündete: „Die Deutsche Tanzkompanie tanzt weiter.“

Und dann die Kirsche auf der Torte: „Camille“. Die große Jutta Ebnother verschenkt nach der Pause einen getanzten Moment der Extraklasse. Ihre sehr persönliche und sehr ergreifende Hommage an die französische Bildhauerin Camille Claudel (1864 bis 1943), eigens nach sorgfältig ausgewählter Musik von Claude Debussy für die Tanzkompanie adaptiert und mit der erfahrenen und ausdrucksstarken Nicola Clarissa Gehring (ein Bravo außer der Reihe) sowie Johanna Sogawa als ältere und als jüngere Camille tänzerisch ideal besetzt, wird wohl lange im Gedächtnis bleiben.

Eine verrückte Idee, für diesen Abend, zwei Premieren zusammenzuführen, hat unbedingt funktioniert. „Da ist einfach etwas herübergekommen“, bestätigt mir mein Blogpartner Marco Zabel. „Es muss was mit dir machen, das ist das Allerwichtigste.“

Hoffnung auf trockene Tücher

Der Zufall wollte es, dass mein Sitznachbar der Landtagsabgeordnete Torsten Koplin war. Der Linkspolitiker hatte sich in Schwerin sehr für die Deutsche Tanzkompanie engagiert. Koplin hofft, dass das Ausnahmeensemble, in dem Urteil sind wir uns einig, nach der Übergangsregelung wie geplant in zwei Jahren Teil des Theater-Pakts des Landes wird und damit verdientermaßen tatsächlich in trockenen Tüchern landet.

Allerdings trübe ein Blick in die angestrengte Haushaltsplanung des Landes seinen Optimismus ein wenig. Auf keinen Fall dürfe darin nachgelassen werden, dem Edelstein Deutsche Tanzkompanie Öffentlichkeit zu verschaffen und auf seinen Seltenheitswert zu verweisen. Fußnote: Koplin versteht nichts von Tanz, wie er mir gegenüber zugab. Aber seine Begeisterung war unverkennbar, und die fachliche Güte des letztlich Erlebten hatte er sich in aller Sorgfalt kurz zuvor aus berufener Quelle bestätigen lassen.

Einmal mehr danke ich Theresa Lange für die exklusiven Fotos.

Nicola Clarissa Gehring (rechts) und Johanna Sogawa in „Camille“.