Schlagwörter
dokumentART, Mann, Mecklenburgische Seenplatte, Neubrandenburg, Preise, The Recce

Der Film „The Recce“ von Daniel Mann ist mit dem Hauptpreis der 32. dokumentART ausgezeichnet worden. Der mit 5.000 Euro dotierte Latücht-Preis des Landes Mecklenburg-Vorpommern wurde am Samstagabend im Rahmen der feierlichen Preisverleihung des Europäischen Filmfestivals in Neubrandenburg vergeben. Der 15-minütige Film beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Kino, Land und (neo-)kolonialen Vorstellungen. Ausgangspunkt ist die Suche nach einem Drehort in Uganda. Dabei hinterfragt Daniel Mann die Verbindung zwischen filmischer Inszenierung, Macht und kolonialen Denkmustern.
Die internationale Jury begründete ihre einstimmige Entscheidung mit den Worten: „Wie kann es gelingen, mit einem ebenso klugen wie einfachen Film so große Themen wie Kolonialismus und Beziehungen zu behandeln – und dabei einen Bogen von den Archiven in London bis zum Regenwald in Uganda zu spannen? Die Jury hat einstimmig entschieden: Der Hauptpreis geht an The Recce“. Die Dankesrede von Daniel Mann sehen Sie hier:
https://drive.google.com/file/d/1QhDKYQfRGPs_LmZw6pLbMaIFmcSpywgB/view
Weitere Auszeichnungen
Der mit 2.000 Euro dotierte Preis der Stadt Neubrandenburg für den künstlerisch und gesellschaftlich mutigsten Film ging an Stefanie Schroeder für „Warnings to the Distant Future“. Mit dem NDR-Publikumspreis und 1.000 Euro wurde Dominika Tarinovas Film „Eternity and a Day“ ausgezeichnet. Eine lobende Erwähnung der internationalen Jury erhielt Krystyna Dobrzańska für „Almost There, Maybe Here“.
Über die Preise des Europäischen Wettbewerbs entschied eine fünfköpfige internationale Jury mit Filmschaffenden und Künstlern aus mehreren europäischen Ländern. Ihr gehörte auch die schwedische Filmemacherin und Performance-Künstlerin Camilla Jämting an, die im vergangenen Jahr mit ihrem Film „Project Dad“ den Hauptpreis der dokumentART gewonnen hatte. Insgesamt waren für die 32. dokumentART knapp 1.000 Filme eingereicht worden, von denen 51 für den Europäischen Wettbewerb ausgewählt wurden.
Über den besten Film aus dem Jugendprogramm YOU:dok entschied eine deutsch-französisch-polnische Jury aus acht jungen Filmschaffenden. Den mit 500 Euro, gestiftet von den Neubrandenburger Stadtwerken neu.sw, und einem von Data Experts gestifteten iPad dotierten YOU:dok-Preis gewann „Knockout Dreams“ von Andreas Birkenheier. Der Film erzählt von einem 13-jährigen Jungen, der im Boxsport Halt und Anerkennung findet. Eine lobende Erwähnung für die beste Regie, dotiert durch den Latücht-Vorstand, ging an die Filmschaffende Olha Cherpak für „Are You Sleeping?“.
Ein besonderer Preis wurde in diesem Jahr erstmals von Jugendlichen der JVA Neustrelitz vergeben. Fünf junge Inhaftierte hatten sich zu einer Jury zusammengeschlossen und aus sechs Filmen ihren Favoriten gewählt. Ihre Entscheidung fiel auf „Tigerlächeln“ („Tiger’s Smile“) von Stella Fachinger. Die Auszeichnung ist eine Holzskulptur, die eigens für das Festival in der Holzwerkstatt der Jugendanstalt angefertigt wurde. Die neue Kooperation hatte am Freitag mit einer Filmvorführung und einem intensiven Gespräch zwischen 25 Jugendlichen und internationalen Filmschaffenden ihren Höhepunkt erlebt.
Festival erreicht neue Zielgruppen
Noch vor dem letzten Festivaltag ziehen die Organisatoren eine positive Bilanz. Das Ziel, die dokumentART stärker für Menschen aus Neubrandenburg und der gesamten Region zu öffnen und sie aktiv am Festival zu beteiligen, sei erreicht worden.
Besonders eindrucksvoll war der Auftakt am Dienstag: Rund 500 Menschen verfolgten die spektakuläre Vertical-Dance-Performance Aerial. Roots am Neubrandenburger Kulturfinger. Anschließend sahen 250 Besucher im ausverkauften CineStar den französischen Naturfilm „Das Flüstern der Wälder“.
Aber auch abseits der großen Veranstaltungen stieß das Festival auf reges Interesse. Neue Formate wie das Kaffeegespräch mit Filmschaffenden wurden sehr gut angenommen. Die Veranstaltungen mit Kooperationspartnern in der Stadt waren gut besucht und boten Raum für intensive Gespräche zwischen Publikum, Filmschaffenden und Gästen.
Mit Filmvorführungen und Begegnungen in der Regionalbibliothek, der Kunstsammlung, der Offenen Mühle, dem Café International und an der Hochschule Neubrandenburg ging die dokumentART in diesem Jahr bewusst neue Wege. Die Kooperationen sollen weiterentwickelt werden. Sie stehen für den Anspruch des Festivals, nicht nur Filme zu zeigen, sondern Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen und neue Möglichkeiten kultureller Teilhabe zu schaffen.
Familienkino und Sport-Spezial am Sonntag
Ganz vorbei ist die 32. dokumentART allerdings noch nicht. Am Sonntag, 11. Oktober, stehen im Kino Latücht zwei besondere Programmblöcke auf dem Spielplan.
Von 11 bis 13 Uhr lädt das „Entdeckerkino“ Kinder im Vorschul- und Grundschulalter und ihre Familien zu einer filmischen Entdeckungsreise ein. Gezeigt werden ausgewählte europäische Animations-, Dokumentar- und Kurzspielfilme. Anschließend können die jungen Gäste gemeinsam mit dem Neubrandenburger Kunst- und Kulturverein Performarium selbst kreativ werden, spielen und die Geschichten aus den Filmen weiterdenken.
Von 14 bis 16 Uhr folgt „Shorts on Sports“. Fünf Kurzfilme erzählen von Sport als Leidenschaft, von Ehrgeiz, Niederlagen, Identität und Zusammenhalt. Mit dabei ist auch der frisch ausgezeichnete YOU:dok- Preisträger-Film „Knockout Dreams“. Das Programm schlägt damit eine besondere Brücke zur traditionsreichen Sportstadt Neubrandenburg.
Bis Sonntag ist auch noch die Ausstellung „Dig where you stand“ von Studierenden der Kunstakademie Stettin in der offenen Mühle zu sehen. Die feierliche Finissage findet um 17 Uhr statt. Mit diesen beiden Veranstaltungen endet die 32. dokumentART in Neubrandenburg. Die europäische Filmbegegnung wird anschließend in Polen fortgesetzt.

