Schlagwörter
Deutsche Tanzkompanie, Mecklenburg-Strelitz, Neustrelitz, Spielzeitstart

Der 1. September ist bei der Deutschen Tanzkompanie in Neustrelitz zugleich erster Tag der neuen Spielzeit. Und die wird märchenhaft, wie Marco Zabel, Geschäftsführender Vorstand, heute vor Journalisten ankündigte. „Es ist ein tolles Gefühl, alle sind wieder da.“ Er vergaß dabei nicht zu erwähnen, dass bei aller Vorfreude die Rahmenbedingungen nach wie vor schwierig seien. „Immerhin, die Basisfinanzierung im 35. Jahr unseres Bestehens ist gesichert, und die Entlohnung des Ensembles kann in kleinen Schritten verbessert werden.“ Außerdem will der Theaterbetrieb Gasttänzerinnen und -tänzer verpflichten, um die vielen Rollen der geplanten Stücke auch besetzen zu können. Die Rede ist von teilweise 14 Akteuren auf der Bühne.
In erster Linie blicke die Tanzkompanie bei aller gebotenen Rückschau im kleinen Jubiläumsjahr nach vorn. „Und auch wenn es 2026/27 märchenhaft wird, sind unsere Themen zeitlos und auf keinen Fall von gestern“, betonte Zabel. „Wir können Märchen seit vielen Jahren, das haben wir bewiesen, und die Menschen brauchen Märchen.“
Bei der Gliederung der Spielzeit hält die Kompanie mit hoher, ausdrücklich geünschter Präsenz in der Region, am bewährten Schema fest: ein großes Stück Tanztheater in der zweiten Hälfte mit „Der Fischer und seine Frau“, eine Produktion für die ganze Familie zum Jahresende/Jahreswechsel mit „Heidi“ nach dem Buch von Johanna Spyri, Kooperationen mit der TOG, darunter mit „Hair“, dem Theaterball und „Herz über Bord“ im Schlossgarten drei Premieren, Wiederaufnahmen. Aber auch Gastspiele seien unverzichtbar. Mit Katharina Torwesten und Kirsten Hocke werden zwei Choreografinnen die Eigenproduktionen prägen.
Ballettsaal wird zum Ballhaus
Zum 35. Geburtstag wird das verdiente Ensemblemitglied Kirsten Hocke im Ballettsaal am Sitz der Kompanie das legendäre Ballhaus Reutergarten wiederaufleben lassen. Gezeigt wird per Umbau, was der Standort so alles hergibt. Der Schwof von einst kehrt zwischen dem 13. und dem 15. November für drei Veranstaltungen zurück, der Schauspieler Felix Erdmann führt durch das Programm und übernimmt auch die Dramaturgie. Die professionelle Produktion sieht vor, dass die Besucher bei dem einen oder anderen Getränk zunächst den Tänzerinnen und Tänzern bei ihren Darbietungen zuschauen, bevor sie dann selbst das Tanzbein schwingen. Der Sonntagnachmittag ist betagteren Gästen bei Kaffee und Kuchen vorbehalten.
Katharina Torwesten, übernimmt beide anderen Produktionen, ein Novem. Der überaus erfolgreichen Choreografin und Ballettdirektorin, jetzt freischaffend, eilt der Ruf voraus, über stilistische Vielfalt zu verfügen, den Stoffen ein tiefes Interesse entgegenzubringen. „Sie will etwas erzählen“, brachte es Marco Zabel auf den Punkt. Am 23. Oktober will sie zunächst „Heidi“ im Schauspielhaus Neubrandenburg zur Premiere bringen. Ihr Anspruch sei es, Musik in Bewegung zu verwandeln, und menschliche Psyche für das Publikum lesbar zu machen. „Wenn das Auge und das Herz folgen können, dann steht die Produktion“, unterstrich Katharina Torwesten. Das gelte auch und gerade für ein kindgerechtes Stück.
Die Schweizerin Johanna Spyri (1827-1901) sei eine ziemlich geniale Schriftstellerin gewesen, ihrer Zeit mit „Heidi“ weit voraus. Themen wie Glück, Heimat, Natur, Freiheit, emotionale Verwurzelung habe sie glaubwürdig behandelt, alles andere als kitschig. 2027 steht der 200. Geburtstag der Autorin an, den hatte die Choreografin noch gar nicht auf dem Zettel.
Bildgewaltige, sinnliche, auch aufwühlende Aufführung
Und noch ein Geburtstag ist für das kommende Jahr anzumerken, das 250. Wiegenfest des bedeutenden deutschen Malers, Kunsttheoretikers und Märchenerzählers der Frühromantik Philipp Otto Runge. Der Vorpommer hat das bekannte Märchen vom Fischer und seiner Frau („De Fischer un sin Fru“) rund um Habgier und Maßlosigkeit aufgeschrieben, was später von den Gebrüdern Grimm in deren Sammlung übernommen wurde. Das Publikum der Deutschen Tanzkompanie darf auf eine bildgewaltige, sinnliche, auch aufwühlende Aufführung gespannt sein. Katharina Torwesten pries Märchen als „einen Schatz, als die einzige Literaturform weltweit, die am Ende immer eine Lösung parat hat“.
Seine erfolgreiche Uraufführung hat das Tanzstück „Vom Fischer und seiner Frau“ am 1. April 2026 am Theater Detmold erlebt. Der Komponist Robert Lillinger, der seit Jahren Katharina Torwesten zusammenarbeitet, hat eigens dafür ein symphonisches Werk geschaffen, was in Detmold mit großem Orchester intoniert wurde. Ein Traum auch für Neustrelitz, gestand Marco Zabel, der sich aber in dieser Spielzeit nicht mehr erfüllen lasse. „Vielleicht in naher Zukunft, man darf ja hoffen.“ Hingegen wird Torwestens Choreografie für die Detmolder Inszenierung von der Tanzkompanie nahtlos übernommen.
Im Anschluss an das Pressegespräch ging es in den Ballettsaal. Marco Zabel gelang es eben noch Tänzerinnen und Tänzer zum Spielzeitstart zu begrüßen, da stürzte sich Katharina Torwesten auch schon energiegeladen in die Werkeinführung.


