Schlagwörter
FC Hansa Rostock II, Fußball, Mecklenburg-Strelitz, Oberliga Nord, Spielbericht, TSG Neustrelitz

Nach großem Kampf haben die Fußball-Oberligisten der TSG Neustrelitz ihr heutiges Heimspiel gegen den FC Hansa Rostock mit 2:3 (0:2) verloren. Rund 450 Zuschauer sahen ein packendes, begeisterndes Match. Ab der 6. Minute mussten die Gastgeber mit einem Mann weniger auskommen. Justus Guth sah nach einer Notbremse die Rote Karte, den damit verbundenen Foulelfmeter verwandelte John Lukas Sauer zur frühen Führung. Eine überharte Entscheidung von Schiedsrichter Thimo Henrik Welk, so die einhellige Meinung auf den Rängen.
Eine Minute zuvor hatte Manuel Härtel die Chance vergeben, seine TSG nach vorn zu bringen. Nach einem Fehler der Rostocker im Mittelfeld konnte er, allein vor Hansa-Keeper Erik Maurer, den Ball nicht unterbringen. Etwa fünf weitere Minuten brauchten die Neustrelitzer nach dem Feldverweis, um sich neu zu formieren. Von da an boten sie den Rostockern Paroli und setzten aus einer dichten Abwehr heraus immer wieder Nadelstiche. Bis zur 27. Minute, als sich wiederum Sauer in einer schönen Einzelleistung durchschlängelt und das 2:0 markiert. Dem vorausgegangen war ein zu kurzer Abstoß von TSG-Torwart Elias Oliver Höftmann an die falsche Adresse.
Und wieder hat Manuel Härtel eine riesige Möglichkeit, wieder allein vor dem Schlussmann der Hansestädter, super bedient von rechts, mit aller Zeit der Welt, und schiebt das Leder am rechten Pfosten vorbei. Den Ball hätte er sogar noch stoppen können. Dem sonst coolen Torjäger klebte heute wirklich das Pech am Schuh. Dann kurz vor dem Halbzeitpfiff eine elfmeterreife Situation für die TSG, Kevin Akogo links durchgebrochen wird im Strafraum zu Fall gebracht, diesmal lässt Welk ungerührt weiterspielen. Gellende Pfiffe begleiteten den Unparteiischen in die Kabine.
In der zweiten Hälfte zeigten die dezimierten Neustrelitzer so richtig Klasse. Immer wieder gab es Szenenapplaus der Fans, wie entfesselt die Gastgeber in ihrem Bemühen, das Blatt zu wenden. Natürlich öffnete das den Rostockern Räume für schnelle Vorstöße, und so kamen sie in der 67. Minute durch Julian Rüh zum dritten Treffer. Sein Flachschuss landete in der äußersten Torecke, unhaltbar.
Nicht aufgegeben
Aber, die Neustrelitzer gaben sich nicht auf. Mit Torben Gäbel und Fabio Podmelle brachte Coach Thomas Franke zwei frische Spieler auf den Rasen, weiter Attacke! Dem Druck konnte Hansa nur schwer widerstehen, Ausdruck dessen ein Selbsttor per Abpraller in der 71. Minute. Da war Härtel unmittelbar beteiligt. Und nur eine Minute später das 2:3 aus Sicht der Platzherren. Kevin Akogo verwertete eine Flanke per Kopf. Die Rostocker geschockt.
In der 75. Minute kam Manuel Härtel, dessen Einsatz auch heute unglaublich hoch war und im Stadion gefeiert wurde, leider wieder nicht am Hansa-Torwart vorbei. Es sollte heute nicht sein. „So ist nun mal Fußball“, sagte mir Manu nach der Partie. Trotzdem, es wird an ihm nagen, wie ich es einschätze. Extreme Spannung in der Schlussviertelstunde: Geschieht noch das Wunder? Leider nicht. Trotzdem die Strelitzer Jungs gefeiert.
Ein „Alle Achtung“ vom Kapitän
„Doppelbestrafungen kenne ich in der Art nicht“, kommentierte TSG-Kapitän Nils Röth im Gespräch mit mir die Entscheidung des Schiris zu Beginn der Partie. „Wir haben 85 Minuten lang eine Riesenmoral gezeigt, so jung schon so abzuliefern, so eine Mentalität zu beweisen, alle Achtung! Es hat eher so ausgesehen, als wenn die Rostocker einen Spieler weniger auf dem Platz hatten. Blöd gelaufen. Unsere Energie nehmen wir mit in die nächsten Spiele.“
„Nach dem 0:2 haben wir uns geschüttelt, hatten ohnehin nichts mehr zu verlieren, und waren die bessere Mannschaft“, schätzte Thomas Franke gegenüber Strelitzius ein. „Dass Rostock natürlich mit einem Umschalter gefährlich werden kann, während wir alles nach vorn werfen, war klar. Hätte Manu in der ersten Hälfte getroffen, der ein super Spiel gemacht hat, wäre die Partie vielleicht anders verlaufen. So ist es, wir müssen damit leben. Alle haben gekämpft bis zum Anschlag.“
Unparteiischer das Zünglein an der Waage
TSG-Vizepräsident Bastian Langguth hatte das letzte Wort mir gegenüber: „Rein zufällig habe ich heute Morgen einen Artikel gelesen, in dem die Bestrafung von Schiedsrichtern für Fehlentscheidungen Thema war. Ich bin der Letzte, der Spielergebnisse auf Schiedsrichterentscheidungen schiebt, aber im heutigen Fall war der Schiedsrichter das Zünglein an der Waage.“ Unbedingt lobend zu erwähnen sei „der Kampfgeist unserer Mannschaft, den wir hier absolut gesehen haben. Die zweite Halbzeit war trotz Unterzahl unsere. Ich bin nicht zufrieden, aber ich bin stolz auf diese Mannschaft.“
Am kommende Freitag gastiert die TSG Neustrelitz, jetzt auf Rang 8 abgerutscht, bei Schlusslicht Viktoria Berlin. Hier im Blog wird dazu zu lesen sein.


