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Illustrationen: Matthias Seifert für musealis GmbH

Am Montagabend sind im Kulturquartier Mecklenburg-Strelitz die Konzepte zum Wiederaufbau des Neustrelitzer Schlossturms und zu seiner Nutzung vorgestellt worden (Strelitzius berichtete). Sehr gefreut habe ich mich darüber, dass Andreas Feddersen, Geschäftsführer der musealis GmbH aus Weimar, im Anschluss unkompliziert meiner Bitte entsprochen hat.

Ich darf ein paar Illustrationen, die von Matthias Seifert für musealis GmbH erstellt wurden und eine mögliche Szenografie der Ebenen des Schlossturms zeigen, sowie kurze Beschreibungstexte zu den Ebenen veröffentlichen. Das 74-seitige Nutzungskonzept ist im Neustrelitzer Rathaus noch unter Verschluss. Herzlichen Dank für das Entgegenkommen nach Thüringen, auch im Namen meiner Leser.

Ausstellungsebene 1: Wurzeln der Demokratie (bis 1918)

Die Ausstellungsebene im ersten Obergeschoss (Bild oben) widmet sich den historischen Wurzeln der Demokratie und den frühen demokratischen Bewegungen des 19. Jahrhunderts. Sie beleuchtet zentrale Konflikte, Reformbemühungen und gesellschaftliche Umwälzungen, die zur Herausbildung demokratischer Strukturen führten – mit einem besonderen Fokus auf der Region Mecklenburg-Strelitz.

Präsentiert werden hier die besonderen Herausforderungen eines ständisch geprägten Systems, das durch die Inszenierung mittels „kleiner Bühnen“ Geschichte lebendig und greifbar macht. So genannte Bühnenkisten stehen im Zentrum der szenografischen Gestaltung dieser Ebene: Jede der drei amorphen Bühnenkisten fokussiert einen demokratischen Wert in der Darstellung historischer Ereignisse (je zwei Themen pro Wert und Kiste). Die Besucher*innen interagieren direkt mit den Kisten, öffnen Klappen, schieben Vorhänge oder ziehen Schubladen, um Figuren, Szenen oder Requisiten zu auf ganz haptische oder zuweilen auch digitale Weise zu entdecken. Die an den Wänden laufenden Begleittexte vermitteln die Inhalte anschaulich und geben kurze Einführungen in Hauptthemen und Unterthemen.

Ausstellungsebene 2: Demokratisches Mecklenburg-Strelitz (1918 bis 1933)

Die zweite Ausstellungsebene stellt die Umbruchszeit 1918/19 in den Fokus und wirft vorrangig Fragen der Verantwortung und Vielfalt auf. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Transformation von der ständischen Herrschaft zur parlamentarischen Demokratie in Mecklenburg-Strelitz. Hier entsteht die erste demokratische Verfassung Deutschlands; die Menschen, die an und später mit ihr arbeiten, müssen sich fortan den Herausforderungen der jungen Demokratie in einer wirtschaftlich und politisch turbulenten Zeit stellen.

Diese Ausstellungsebene zeigt die Volatilität der Umbruchszeit und die Ungewissheit, ob und wie sich die Demokratie nach Ende des Kaiserreichs nicht nur in Mecklenburg-Strelitz, sondern in ganz Deutschland etabliert hat. Durch eine historisch-immersive Inszenierung werden die Herausforderungen dieser Zeit und die Rolle Mecklenburg-Strelitz‘ lebendig erzählt.

Gestaltet wird diese Ebene wie ein temporäres Parlament: Der Gelbe Saal des Residenzschlosses Neustrelitz, Tagungsort des Landtages des Freistaates Mecklenburg-Strelitz, wird mit Sitzbänken und einem Rednerpult im Kleinformat nachempfunden – auch die Wandgestaltung erinnert an den Sitzungsort des Landesparlaments, ohne den Anspruch zu erheben, diesen historisch exakt nachzubilden.

Die Besucherinnen können Platz nehmen, um zentrale Ereignisse und Debatten akustisch spannend inszeniert über Mehrkanalton zu erleben. Stimmen der einstigen Parlamentarierinnen (professionell eingesprochene Reden und Zitate) werden so positioniert, dass sie von verschiedenen Sitzbänken oder aus Richtung des Rednerpults zu hören sind. Dadurch entsteht das Gefühl, mitten in einer Debatte zu sitzen. Zwei mannequinartige Figuren (ein Mann sowie eine Frau) werden hinter dem Rednerpult aufgestellt und entsprechend der gerade eingespielten Töne via Beamer angestrahlt. Die Inszenierung kombiniert Redebeiträge progressiver Kräfte (z. B. Arbeitervertreterinnen) mit konservativen Einwürfen oder skeptischen Fragen von Parlamentarierinnen.

Besucherinnen erleben die Gegensätze und Konflikte der Zeit hautnah. Die Lautstärke und der Raumklang verändern sich je nach Thema oder Position des/der Sprecherin – leise, vorsichtige Stimmen zu Beginn, leidenschaftliche Aufrufe und hitzige Diskussionen im Verlauf. Die Inszenierung startet über Bewegungsmelder beim Betreten der Besucher*innen auf dieser Ebene und dauert 8-10 min.

Ausstellungsebene 3: Diktatur und Demokratie im 20. Jahrhundert

Die dritte Ebene beleuchtet die Zerschlagung demokratischer Strukturen während des Nationalsozialismus, die Einschränkung politischer Rechte in der DDR sowie die Ambivalenzen von Demokratie und Diktatur. Entlang der Abwesenheit von Rechtsstaatlichkeit und Gerechtigkeit wird erzählt, wieso auch diese Grundwerte essenzieller Bestandteil demokratischer Gemeinwesen sind.

Die Erzählung nutzt visuelle, akustische und haptische Elemente, um die Zerstörung demokratischer Strukturen, die Mechanismen autoritärer Herrschaft und die mutigen Akte des Widerstands greifbar zu machen.

Auf der einen Seite des Raumes spiegelt sich die Zeit des Nationalsozialismus wider, auf der anderen die DDR-Diktatur. In der Mitte treffen sich beide Systeme auf dem grafisch gestalteten „Pfad der Ambivalenzen“, der die Unterschiede beider Systeme in der Manipulation demokratischer Mittel, in der Unterminierung von Rechtsstaatlichkeit und einer Verhöhnung von Gerechtigkeit herausarbeitet.

Die Besucher*innen wählen, welchen „Pfad“ sie zuerst betreten. Beide erzählen parallel die Geschichte der autoritären Systeme – aufbauend auf den Zerfall demokratischer Werte.

Ausstellungsebene 4: Das Labor der Demokratie

Die oberste Ebene der Ausstellung, das „Labor der Demokratie“, ist als Forum für Reflexion, Partizipation und Zukunftsfragen konzipiert. Es stellt die zentralen Werte der Demokratie gemeinsam in den Mittelpunkt und bietet den Besucher*innen die Möglichkeit, aktiv an demokratischen Prozessen mitzudenken. Dabei können Sie sich mit den aktuellen Herausforderungen und Potentialen der Demokratie auseinandersetzen.

Die Szenerie der Ausstellungsebene fügt sich ganz der übergeordneten Thematik an: Wie in einem Labor sollen einzelne Stationen in einem hellen, offenen, Neugier weckenden Raum die Besucherinnen anziehen und zu Demokratie-Forscherinnen machen.

Über ein interaktives Planspiel erleben die Besucherinnen am Runden Tisch die Mechanismen einer demokratischen Konsensfindung, in der unterschiedliche Werte und Interessen berücksichtigt werden. Konkrete Fragestellungen kommen hier von Einzelpersonen oder aufgeteilten Besuchergruppen. Am zentral positionierten Tisch erhalten Besucherinnen Rollen mit spezifischen Interessen und Werten, die in die Diskussion eingebracht werden müssen. Gemeinsam entwickeln sie Vorschläge, wägen Kompromisse ab und erleben, wie demokratische Entscheidungsprozesse funktionieren und Vielfalt berücksichtigt wird.

Die vierte Ausstellungsebene schließt mit der Zusammenführung der demokratischen Werte, so wie sie im Erdgeschoss des Turmes erstmals thematisiert wurden, die Erzählung der Ausstellung.

Aussichtsebene 5

Für das fünfte Obergeschoss – das höchste, das Besucher*innen per Treppenaufgang oder mit dem Aufzug erreichen können – bedeutet das, dass hier ein eigener Funktionsbereich geschaffen wird. Im Zentrum des Erlebens steht der Ausblick auf den umliegenden Schlosspark und das Stadtpanorama Neustrelitz’.

Auf der generell frei gehaltenen, kreisförmigen Fläche der Turmebene werden drei elektronische Fernrohre platziert. Die darin anzusehenden historischen Fotografien beleuchten die bewegte Geschichte des Residenzschlosses Neustrelitz inmitten seiner Umgebung. Eine Medienstation lädt zur Vertiefung der Schlossgeschichte ein.