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Brandenburg, Effi Briest, Elstermann, Gründgens, Kino, Radecke, Rheinsberg, Schlosstheater

Im Laufe des Jahres präsentierte die Musikkultur Rheinsberg gemeinsam mit Filmkritiker Knut Elstermann bereits drei sehenswerte Verfilmungen von Theodor Fontanes Weltbestseller „Effi Briest“ im Schlosstheater Rheinsberg. Nun endet die vierteilige Reihe mit dem charismatischen Moderator mit einem visuell wie historisch beachtenswerten Film von 1939: „Der Schritt vom Wege“ der kontroversen deutschen Regie- und Schauspielpersönlichkeit Gustaf Gründgens ist am Freitag, 15. November, ab 19 Uhr auf großer Kinoleinwand im Rheinsberger Schlosstheater zu erleben.
Gustaf Gründgens gilt als eine der umstrittensten Figuren der deutschen Filmgeschichte, vor allem wegen seiner Rolle im Dritten Reich. Unter den Nationalsozialisten machte er in der Film- und Theaterwelt – trotz seiner Homosexualität – glänzende Karriere. Ein Produkt dieser Zeit und mit seinen starken Bildern dennoch ein beeindruckendes Kunstwerk ist „Der Schritt vom Wege“: Der Film legt weniger Wert auf die gesellschaftlichen Hintergründe des Dramas, sondern rückt die emotionale Unmittelbarkeit der Gefühlswelten in den Fokus. Beim Erscheinen erhielt der Streifen zunächst keine Jugendfreigabe und löste damals ein neues Interesse an Theodor Fontanes berühmtestem Roman aus. Gründgens‘ Gattin Marianne Hoppe – die beiden lebten in einer Scheinehe – übernahm die anspruchsvolle Hauptrolle. Der Film stammt aus dem Bestand der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung.
Im Vorfeld der Filmvorführung ordnet die Fontane-Expertin Gabriele Radecke im Gespräch mit Moderator Knut Elstermann den Film, den Stoff und seine Wirkung ein. Radecke wurde für ihr langjähriges Engagement, zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit zu vermitteln, 2017 mit dem Preis der Universität Göttingen ausgezeichnet. Ihre wichtigste Veröffentlichung ist die Online-Edition der 67 Notizbücher Fontanes; außerdem leitet sie seit 2020 das Literaturarchiv der Akademie der Künste in Berlin.