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Foto: Florian Hackspiel

Das international besetzte Ensemble Mozaїque ist neue Rheinsberger Hofkapelle (Strelitzius berichtete). Mit ihrer inspirierten und stilsicheren Darbietung von Werken des 18. Jahrhunderts überzeugten die sieben Musikerinnen und Musiker innerhalb eines öffentlichen Auswahlkonzerts am vergangenen Sonntag die Jury von ihrem musikalischen Können. Auch der erstmalig vergebene Publikumspreis ging mit deutlicher Mehrheit an das musizierfreudige Ensemble.

Mit dem Titel „Rheinsberger Hofkapelle“ ist ein einjähriges Förderprogramm verbunden, das im Herbst 2020 startet: Das junge Ensemble erhält die Möglichkeit, vier Arbeitsphasen in der Musikakademie Rheinsberg zu verbringen und sich in vielfältiger Weise der Öffentlichkeit zu präsentieren. So wird es im Herbst unter anderem die Konzertreihe im historischen Spiegelsaal Schloss Rheinsberg eröffnen.

Seine Wurzeln hat das Ensemble Mozaїque an der Universität Mozarteum in Salzburg; seine Mitglieder, Studierende und Alumni führender Institute für Alte Musik, haben sich der historisch informierten Aufführungspraxis verschrieben; sie wollen barocke Klangwelten zu erschließen und vergessene Werke zu neuem Leben erwecken. Prägend für den individuellen Klang ist das vielfältige Erfahrungsspektrum der Ensemblemitglieder.

Erstmals ist eine Sängerin Teil des Preisträger-Ensembles: Die österreichische Sopranistin Maria Ladurner wirkte bereits an Produktionen u. a. am Teatro sociale Trento, bei den Tiroler Festspielen Erl, an der Oper Bonn, an der Neuen Oper Wien oder beim Operettensommer Kufstein mit.

Die aus Russland stammende Traversflötistin Eva Ivanova-Dyatlova spielt als Solistin und in zahlreichen Ensembles, außerdem hat sie einen Lehrauftrag an der Hochschule für Musik Hamburg inne.

Der deutsche Gitarrist und Lautenist Elias Conrad (Laute, Theorbe, Barockgitarre) unterrichtet neben seiner Mitwirkung an zahlreichen Produktionen und Festivals Gitarre beim Bayerischen Landesjugendzupforchester. Dass sich Alte Musik und ein Faible für Jazz nicht ausschließen, zeigt seine Mitgliedschaft in zahlreichen Jazz-Combos.

Gabriele Toscani, italienischer Violinist, ist nicht nur Preisträger internationaler Wettbewerbe für Alte Musik und Kammermusik, sondern gewann mit seiner Jazz-Progressive-Band Altare Thotemico auch die Prog Awards 2011.

Künstlerisch vielseitig ist auch Alexandre Baldo. Der Viola-Spieler und Sänger (Bass-Bariton) entstammt einer französischen Künstlerfamilie und ist außerdem als Kupferstecher erfolgreich.

Mit Celeste Casiraghi (Cello) und Chloé de Guillebon (Cembalo) gehören zwei  Musikerinnen aus Italien und Frankreich zum Ensemble, die mehrfach auszeichnet wurden.

Der Titel und das Förderprogramm „Rheinsberger Hofkapelle“ sind in diesem Jahr zum zweiten Mal für Ensembles der Alten Musik ausgeschrieben worden. Aus zwanzig Bewerbern qualifizierten sich drei Finalisten; neben dem Ensemble Mozaїque stellten sich zwei Quartette – das Ensemble Facicura und das Ensemble Yuzugami – der fachkundigen Jury unter dem Vorsitz von Bernhard Forck (Akademie für Alte Musik Berlin) mit Werken aus der Zeit des preußischen Kronprinzen Friedrich und seiner Hofkapelle.

Mit der „Rheinsberger Hofkapelle“ will die Bundes- und Landesakademie, Musikakademie Rheinsberg Ensembles die historisch informierte Aufführungspraxis fördern das musikalische Erbe der historischen Rheinsberger Hofkapelle lebendig halten.

Zur Rheinsberger Hofkapelle

Hofkapellen gab es bereits im Mittelalter, im 17. und 18. Jahrhundert erlebten sie einen neuen Aufschwung. Als der 24-jährige Kronprinz Friedrich 1736 mit seiner Gemahlin das Rheinsberger Schloss bezog, gehörte zur Einrichtung des Hofstaates die Gründung seiner ersten Kapelle. Vier Jahre lang erlebte Rheinsberg mit dieser Hofkapelle eine Blüte der Barockmusik. 17 Musiker, Friedrich eingeschlossen, sind namentlich bekannt, die bis zur Thronbesteigung Friedrichs ganz oder teilweise in der Rheinsberger Hofkapelle mitwirkten. Dazu gehören so illustre Namen wie Johann Joachim Quantz, Franz Benda, die Brüder Johann Gottlieb und Carl Heinrich Graun, Christoph Schaffrath, Johann Gottlieb Janitsch oder Carl Philipp Emanuel Bach. Nach seiner Thronbesteigung 1740 nahm Friedrich II. seine Hofkapelle mit nach Berlin bzw. Potsdam.

Seit der Wiedereröffnung des Rheinsberger Schlosstheaters 1999 vergibt die Musikakademie Rheinsberg jährlich den geschützten Titel »Rheinsberger Hofkapelle« an ein junges Ensemble für historische Aufführungspraxis und lässt so das musikalische Erbe der Rheinsberger Hofkapelle wieder aufleben.