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Ich habe an dieser Stelle dem Gasthof „Blaue Maus“ in Mirow bereits ein Loblied gesungen. Es ist an der Zeit, diesem noch eine Strophe anzufügen. Oder zwei. Wusste ich vor ein paar Monaten vor allem die von selbst erlegtem Wild und frischem Fisch geprägte Küche zu würdigen, so muss ich nunmehr noch ein paar anerkennende Sätze zur nagelneuen Innenausstattung aufschreiben.

Denn die hatte mir vom gefliesten Fußboden, Jagdtrophäen und Fischernetzen an den überladenen Wänden bis hin zum elektrischen Kitsch-Kamin nicht eben gefallen. Was ich auch in meinem Blog anklingen ließ. Nur wenige Tage darauf meldeten sich die Wirtsleute Yvonne und Lars Pohlmann via Facebook bei Strelitzius und kündigten einen Umbau der Gaststätte an. Was natürlich nicht meinen kritischen Anmerkungen geschuldet war. Das Paar, das in zweiter Generation den Gasthof führt, wollte sich ohnehin endlich auch in Sachen Interieur verwirklichen. Also nur ein zufälliges Zusammentreffen.

Dieser Tage habe ich nun das Ergebnis der Bemühungen inspiziert und, um es mal salopp auszudrücken, ich bin vor positiver Überraschung fast lang hingeschlagen. Mit Fug und Recht kann von einer neuen „Blauen Maus“ geschrieben werden. Die Pohlmanns haben mit erstaunlicher Stilsicherheit das Innere des Traditionshauses vom Fußboden bis zur Beleuchtung und von der Möblierung bis zur Dekoration komplett umgekrempelt und eine Wohlfühlatmosphäre geschaffen, die man in den gastronomischen Einrichtungen unserer Gegend erst einmal finden muss.

Weniger ist tatsächlich mehr

Der holzdominierte Mix aus rustikal und ein wenig modern ist absolut gelungen. Erneut zeigt sich darüber hinaus, dass weniger eben tatsächlich mehr ist. Den nicht minder einladenden lauschigen Hof konnten die Holde und ich nur beschauen, aber wetterbedingt noch nicht testen. Was unter Garantie demnächst nachgeholt wird.

Was mich fasziniert ist, dass beide Pohlmanns Seiteneinsteiger sind. Da müssen sich gelernte Gastronomen und Köche ganz schön strecken, um das in der „Blauen Maus“ gebotene Niveau zu erreichen. Und nun doch noch ein Wort zum Essen, es muss sein. Wir haben unser erstes Damwild-Carpaccio serviert bekommen und waren hellauf begeistert. „Vom Rind, das kennt man ja. Da haben wir uns gedacht, es müsste auch mit Wild funktionieren. Es ist uns wohl gelungen“, freute sich Yvonne Pohlmann über die geglückte Überraschung, die sie an Rucola, Sprossen, Pinienkernen und mit einem ebenfalls selbst kreierten Dressing aufgetischt hatte.

Womit die Gaumenfreuden noch nicht beendet waren. Ich hatte dann fein panierten Wildschweinrücken mit Rosmarinkartoffeln und leckerer Beilage. Auch der Pflück-Salat der Holden, der mit Hähnchenstücken serviert wurde, gereichte dem Koch Lars Pohlmann in Geschmack und Aussehen zur Ehre. Nicht zu fassen, dass der Mann mal Autos verkauft hat! „Wir sind, was unsere Speisen angeht, eher klassisch orientiert“ stuft Yvonne Pohlmann beim abrundenden Espresso ihr Angebot ein. Finde ich etwas tiefgestapelt.

Die Chefin hat übrigens im früheren Leben Edeka-Märkte eingerichtet und vielleicht von daher ein Händchen für Geschirr, Besteck, Gläser und alles, was den Gast auf dem Tisch noch erfreut. Den Untersetzer farblich haargenau passend zur selbstgezogenen Minze im Getränk, Chapeau! Das Auge isst bekanntlich mit, erste gastronomische Grundregel, und doch vielerorts missachtet.

Unterm Strich: Ich kann die „Blaue Maus“ jetzt ohne Einschränkungen empfehlen. Sie ist eine echte Bereicherung für unsere Region.